Filmkritiken
25.04.2013

POLIT-PARABEL ODER FAMILIENMELODRAM?

Wer sein Geld nicht zurückzahlen kann, wird verstümmelt. Seine Beine werden gequetscht, die Hand durchbohrt, oder der ganze Mann wird vom Balkon gestoßen. Hauptsache, er ist verkrüppelt. Dann zahlt die Versicherung Schadenersatz, und der Betroffene kann seine Schulden begleichen.

Es zählt zu den eher unerfreulichen Anblicken, Menschen dabei zuzusehen, wie ihre Gliedmaßen malträtiert werden. Der koreanische Regisseur Kim Ki Duk nimmt in seinem 18. Spielfilm wenig Rücksicht auf Magennerven. Im Gegenteil: Beinahe sadistisch erzählt er sein mit Pathos überhöhtes Mutter-Sohn-Drama mit exzessiver Brutalität.

Anfänglich scheint nur einer in Kim Ki Duks Jammertal besser dazustehen: Es ist der Knochenbrecher Kang Do. Unbeeindruckt verwundet er die Klienten. Bis sich eine Frau an seine Fersen heftet und behauptet, seine verschollene Mutter zu sein. Sie lehrt ihn Mitleid – allerdings in mörderischer Mission. Kim Ki Duk zielt offensichtlich auf Gesellschaftskritik ab.

Seine Rachegeschichte spielt in einem Abrissviertel von Seoul und erzählt vom Verschwinden der Kleinhandwerker. Doch weder als Polit-Parabel noch als Familienmelodram vermag „Pieta“ zu überzeugen. Trotzdem erhielt der Film den Goldenen Löwen von Venedig.