Proletarisches Kino: Programm 08 - Körper

 
Kurzfilm 
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(1931)Kinderfürsorge, Ernährungsberatung, Sonnen- und Luftbäder, Sport, Freikörperkultur: Wien wird zum Labor eines proletarischen Selbstbewusstseins, das massiv mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse einhergeht. Es schlägt sich im Körper jedes Einzelnen nieder, der immer gesellschaftlich gedacht wird. So zeigt sich das neue Körperbewusstsein in Filmen gebündelt auf zwei Ebenen. Einmal in der Darstellung der Leistungen, die das Rote Wien auf dem Sektor der Kinderbetreuung und Fürsorge bewerkstelligte. Das Kinderelend in Wien ist dafür beredt. Winter 1918/19, Hunger und Kälte, dazu Tuberkulose und die «spanische Grippe» fordern Zehntausende Tote. Die anlaufenden alliierten Hilfslieferungen sollten Österreich nicht nur vor dem Verhungern, sondern auch vor dem Bolschewismus retten. Die soziale Krise des Jahres 1919 wurde durch eine nie gekannte Produktionskrise gesteigert. Der industrielle Ausstoß betrug nur ein Drittel, die Agrarproduktion nur die Hälfte von 1913. Die Arbeitslosenzahl stieg steil an, von 46.000 (Dezember 1918) auf 186.030 (Mai 1919). Vor diesem Hintergrund argumentiert Kinderelend in Wien. Es gibt der Not und den Versuchen, sie zu lindern, Bilder. Es vergleicht Filmaufnahmen von Zöglingen einer Wiener Volksschule aus dem Jahre 1914 und 1919, zeigt die Wohnungsnot, die auch den Mittelstand erfasst hat, die Suche nach Ess- und Brennbarem, Auswirkungen von Krankheiten sowie die erfolgreichen Anstrengungen der Gemeinde Wien, das Elend zu bekämpfen. Die zweite tragende Säule für eine neue Haltung zum Körper ist der Arbeitersport. Lautete die Devise der Bürgerlichen «Sport ist Kampf», so konterten die Sozialdemokraten mit «Sport ist Kulturwille». Nicht individueller Wettkampf steht im Vordergrund, vielmehr der Gedanke, mittels körperlicher Ertüchtigung die «Erziehung zu sozialistischem Fühlen, Denken und Handeln» zu fördern. Arbeitersport bedeutet Klassengefühl, Erziehungsprogramm und Internationalismus. Sein Höhepunkt war die Arbeiterolympiade. 1931 fand sie in Wien statt. Das erhaltene Filmdokument 26. Juli 1931. Die II. internationale Arbeiterolympiade in Wien ist so rar wie kurios. Es zeigt die Tätigkeit der Sicherheitswache anlässlich des Festzuges der Sportlerinnen und Sportler aus neunzehn Verbänden der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale über die Ringstraße zum Pratergelände. Die Transparente der Sportjugend Europas künden von Abrüstung und Weltfrieden. Im Praterstadion kennt die Begeisterung für das Fußballmatch zwischen Teams der Arbeiterfußballer von Wien und Niederösterreich keine Grenzen. Noch 1932 war man sich am gleichen Ort sicher: «Nie schießt der Faschismus in Wien ein Goal.» Das Kinderelend in Wien (Ö 1919) Produktion Staatliche Film-Hauptstelle 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Das städtische Bäderwesen Wiens (Ö 1924) Produktion vermutlich Allianz-Film 16mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW 26. Juli 1931. Die II. internationale Arbeiterolympiade in Wien (Ö 1931) Produktion Lichtbildstelle der Schulabteilung der Wiener Sicherheitswache 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Weltkindertag in Wien (Ö 1931) Produktion Fox Tönende Wochenschau 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Schutzbund treibt Wehrsport (Ö 1931) Produktion Zentralstelle für das Bildungswesen Wien 16mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Das internationale Wehrsport-Treffen bei der zweiten Arbeiter-Olympiade in Wien (Ö 1931) 16mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW (Bilder von der 2. Arbeiter-Wintersport-Olympiade Mürzzuschlag 1931) (Ö 1931) 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW (Donau 1942-44) (Ö 1944) 9,5mm/stumm/SW 111 Minuten

(Text: Viennale 2007)

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