Proletarisches Kino: Programm 16 - Fritz Rosenfeld 5

 
film.at poster

Vom täglichen Kampf ums Brot: zwei Filme, ein Thema - sozialrealistische Reportage der eine, poetische Burleske der andre. Chaplin entwirft in The Kid, seinem ersten Langfilm, ein prekäres Familienidyll: Charlie, der Tramp, liest ein weggelegtes Baby auf und zieht es groß. Hunger und Not werden mit viel Witz gemeistert; der Bub schmeißt Kaufleuten und Hausbesitzern die Fensterscheiben ein, damit der Tramp eine Arbeit als Glaserer hat. «Wie immer bei Chaplin triumphiert das Gelächter über den Widersinn und die Ungerechtigkeit der Welt», schreibt Rosenfeld, aber «in diesem Lachen schwingt immer auch Wehmut mit, Chaplin ist ein sentimentaler Rebell; denn er weiß sehr gut, dass die wahre Revolte erfordert, was er ewig bekämpft: Brutalität.» Hunger in Waldenburg führt ins schlesische Industriegebiet, an einen Ort des Elends, nur wenige Eisenbahnstunden von Berlin entfernt und heute, als Walbrzych, zu Polen gehörig: «Es ist kein trauriger Witz, es ist traurige Wahrheit, dass in Waldenburg von einer 'Kunst des Hungerns' gesprochen wird. (...) Neun Stunden schleppt der Bergarbeiter die Kohlenwagen durch die Grube, hämmert er im Gestein, führt er den Bohrer; (...) Der Wochenlohn reicht nicht für das Allernötigste. In den Stuben der Arbeiter aber hängen an den Wänden noch Heiligenbilder, schöne Sprüche von der Zuversicht in Gott, der nahe ist, wenn die Not am größten ist. Und über die Elendsquartiere ragen die stolzen Türme der Kirche; neben den Elendsquartieren ragt der Palast des Fürsten Pleß, dem Waldenburg gehört, die Stadt, die Umgebung, die Kohlengruben, die Webereien - und die Menschen. Die Höhe seines Vermögens durfte der Film nicht nennen. Es würde aufreizend wirken, wenn man erführe, dass neben hungernden Weberkindern jemand wohnt, der hundert Millionen Mark besitzt. Die deutsche Filmzensur wacht eben ängstlich über Ruhe und Ordnung: über die Ruhe des Verhungerns und die Ordnung ungestörter Menschenausbeutung.» (Fritz Rosenfeld) Hunger in Waldenburg Deutschland 1929 Regie Piel Jutzi Drehbuch Leo Lania Kamera Piel Jutzi Gesamtleitung Leo Lania Darsteller Holmes Zimmermann, Sybille Schloß, Arbeiter aus dem Waldenburger Industrierevier Produktion Filmkartell Weltfilm, Berlin, im Auftrag von Volks-Film-Verband, Theater am Schiffbauerdamm 35mm/stumm/Schwarzweiß 70 Minuten The Kid USA 1921 Regie Charlie Chaplin Kamera Rollie Totheroh Regieassistenz Frank Powolny Ausstattung Charles D. Hall Darsteller Charlie Chaplin, Jackie Coogan, Carl Miller, Edna Purviance, Chuck Riesner, Tom Wilson, Albert Austin, Nellie Bly Baker, Henry Bergman, Jack Coogan, Lita Grey Produktion Charlie Chaplin, First National 35mm/stumm/Schwarzweiß 51 Minuten

(Text: Viennale 2007)

Details

Piel Jutzi, Charlie Chaplin

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken