Regno di Napoli / Neapolitanische Geschwister (OmdU)

 I/BRD 1977
123 min.
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Regno di Napoli löste auf den Filmfestspielen von Cannes, wo er auf dem Parallel-Festival Quinzaine des Réalisateurs uraufgeführt wurde, zunächst einmal Überraschung und Irritation aus. Italiener meinten, das Neapel-Bild, das hier entworfen werde, stimme nicht mit der Wirklichkeit überein; Schroeter-Anhänger wiederum hatten Mühe, das vertraute Universum des Regisseurs aus künstlichen Figuren und stilisierten Gesten in diesem ganz andersartigen Film wiederzuerkennen. In der Tat bedeutet Regno di Napoli für Schroeter eine Art Neubeginn, eine Zurückorientierung auf die Realität. Aber gerade dadurch ist ihm einer seiner besten Filme gelungen, in dem spezifisch Schroeter'sche Stilelemente - der Hang zum Exaltierten, zur pathetischen Gebärde, zur musikalischen Form - auf faszinierende Weise mit der Beschreibung einer Wirklichkeit zusammentreffen. Schroeter erzählt in «16 charakteristischen Sequenzen» die Geschichte einer neapolitanischen Familie, insbesondere zweier Geschwister, in der Zeit von 1943 bis 1972, wobei die privaten Geschehnisse vor einem Horizont kollektiver Vorgänge erscheinen. Dieser Horizont wird evoziert durch regelmäßige Einblendungen von dokumentarischem Bildmaterial und einer Sprecherstimme, die in distanziertem Tonfall einige Zeitereignisse beschreibt. Als Vorbild für diese Erzählstruktur kann man Rossellinis neorealistischen Klassiker Paisà (1948) erkennen. (...) Die Realität erscheint bei Schroeter oft in grotesker Zuspitzung, in allegorischer oder poetischer Ausschmückung. Insofern steht auch dieser Film in der Tradition früherer Filme des Regisseurs; auf der anderen Seite spricht aus Regno di Napoli die Liebe zu den unmittelbaren Aspekten neapolitanischer Realität: für reale Dekors, für den Gestus des Alltags, für den Dialekt, für den Ausdruckswert von Gesichtern «aus dem Volk». (Ulrich Gregor, «Die Zeit», 1978)

(Text: Viennale 2008)

Details

Romeo Giro (Massimo Pagano als Kind), Antonio Orlando (Massimo als Jugendlicher), Tiziana Ambretti (Vittoria Pagano als Kind), Maria Antoniella Riegel (Vittoria als Jugendliche), Cristina Donadio (Vittoria als junge Frau), Dino Melé (Vater Pagano), Renata Zamengo (Mutter Pagano)
Werner Schroeter
Roberto Predagio
Thomas Mauch
Werner Schroeter, Wolf Wondratscheck

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