Filmkritiken
05.12.2012

RETRO-HELD MIT RIESEN-PRATZEN

Aus einem erfolgreichen Videospiel einen annehmlichen Langfilm fürs Kino zu machen, ist nicht die leichteste Aufgabe. Hit-Games wie „Super Mario Bros.“, „Prince of Persia“ oder „Resident Evil“ wurden im Kino nicht gerade mit Ruhm überschüttet. Doch Rich Moores fetzig-freche Animations-Abenteuer-Komödie setzt nicht auf ein spezielles Video-Spiel. Stattdessen schöpft er aus den Fantasiewelten von klassischen

Spielautomaten-Games bis hin zum Ego-Shooter.

Seine Hauptfigur Ralph ist noch völlig Held der alten Schule. Er hat riesige Pratzen und hämmert in abgehackten Bewegungen ein Haus nieder, das sein kleiner Kontrahent flink wieder aufbaut.

Nachdem Ralph in die Psycho-Krise gerät und endlich einmal etwas Gutes vollbringen will, schleust er sich zunächst in ein wahnwitziges Kriegsspiel ein, das mit allen Finessen des Action-Kinos ausgestattet ist. Alles nur, um dann in der knallbunten Zuckerwattenlandschaft eines Auto­rennspiels zu landen, in dem kleine Mädchen rasante Kurven nehmen. Moore schafft ganz unterschiedliche, detailverliebte und witzige Bilderwelten, die sich von Disney-Klassikern aus der Animationswelt genauso inspirieren ließen wie von „Saving Private Ryan“.

Besonders mit der Rennfahrerin Vanellope stellt er Ralph eine wortgewandte Partnerin zur Seite und vermeidet damit ein reines Bubenabenteuer. So gesehen geht Moores Konzept wunderbar auf: Spaß für die ganze Familie – damit sind auch die Mädchen gemeint.

Ralph, der die Rolle des Bösewichts in einem 8-Bit-Videospiel inne hat, muss immer alles kaputt machen, hat die Nase voll und möchte zeigen, dass auch er das Zeug zum Helden hat.