Filmkritiken
19.12.2012

RETTEN STATT RÄCHEN

Ehrlich, wir waren des Polizeifilms schon ein wenig müde. Wie nach viel zu vielen Observierungsstunden mit viel zu viel Kaffee im Pappbecher. Viel zu viele gab es nämlich zuletzt, in denen Polizisten ihre Dienstmarke bloß für die Lizenz zum Töten nutzten. Und irgendwie haben wir daher schon länger auf diesen hier gewartet: Zwei Straßencops (so was von überzeugend: Jake Gyllenhaal und Michael Peña), denen ihre Mission richtig ernst ist. Sie schützen statt nur zu schießen, sie retten statt zu rächen, sie helfen und geraten so in Lebensgefahr.

Zugegeben, die beiden biegen sich dabei immer wieder ein paar Gesetze zurecht: Wenn etwa Michael Peña als Mexikaner, bei einer Verhaftung die Waffe ablegt und sich, um Dampf abzulassen, einen fairen Faustkampf mit einem kriminellen Schwarzen liefert. Mann gegen Mann, Auge um Auge. Aber insgesamt sind die beiden echte Helden des Alltags im LAPD, des berühmten Los Angeles Police Departement. Sie retten Kinder aus einem brennenden Haus oder befreien Mexikaner aus der Verschleppung und geraten überhaupt ununterbrochen in unglaublich gefährliche Situationen. Wären es nicht Gyllenhaal und Peña, man würde vielleicht die Hälfte davon glauben. Nebenbei, bei Kaffee im Pappbecher und tödlichen Schüssen, plaudern sie dann über Frauen und Ehefrauen; verlieben sich, heiraten – und filmen hobbymäßig ihre Einsätze.

So beginnt auch „End of Watch“: mit Selbstgefilmtem aus ihrem Alltag und das wirkt unalltäglich realitätsnah für das Genre des Polizeifilms. Drehbuchautor und Regisseur David Ayer weiß sichtlich, wovon er hier erzählt. Er hat sich als Autor unter anderem in „S.W.A.T. (2003) damit beschäftigt. „The End of Watch“ erzählt er im Stil einer Doku. Mit handverwackelter Kamera, provisorischen Bilder und Unschärfen. Zwar führt diese Ebene des Films im Film inhaltlich zu keiner weiteren Erkenntnis. Was Einwand Nummer 1 gegen diesen Thriller wäre. Aber immerhin führt es zu einem visuell coolen, autorenhaft Stil.

Einwand Nummer 2 ist (und wir hören mit Einwänden gleich wieder auf), dass es sich hierbei um ein Promotion-Video fürs LAPD handeln könnte. Doch das kann man mit diversen Todesfällen und Messern, die bei Einsätzen spektakulär in Augen von Polizisten stecken bleiben, entkräften. Am Ende hört der Film vielleicht noch ein wenig zu spät auf, dennoch darf er zweifellos die Dienstmarke für clevere Unterhaltung tragen.