RIESENFLOH UND WASSERDRACHE IM KAMPF MIT DER ZIELLOSIGKEIT

Stattdessen bekommen wir mit Horrorelementen angereicherte Geschichten geboten, in denen alles um gefährliches Verlangen und absonderliche Begierden kreist. Drei Herrscher aus unterschiedlichen Königreichen treten als Hauptfiguren in Erscheinung: ein König (John. C. Reilly) würde für seine kinderlose Frau (Salma Hayek) alles tun, damit sich endlich Nachwuchs einstellt und erhält von einem zauberischen Alten seltsame Anweisungen, die ihn unter Wasser führen; ein anderer verwitweter Regent (Toby Jones) hat zwar eine Tochter, entwickelt jedoch eine krankhafte Neigung für einen Floh, der dank guter Verköstigung immer größer wird (das Märchen könnte tatsächlich von Kafka sein); der dritte König (Vincent Cassel) ist schließlich ein gewaltiger Lüstling, vor dem keine junge Frau im weiten Umkreis Ruhe hat. Seine neueste Begierde wird durch eine Färberin geweckt, doch statt sich durch die liebliche Singstimme betören zu lassen, sollte er lieber einen Blick ins Gesicht der betreffenden Person werfen.

Der Regisseur will nun seine drei Märchenvorlagen miteinander verquicken und erzählt die Handlungen parallel. Die vielfältigen Ereignisse sind zwar meist wirklich überraschend und sogar unerwartet aktuell (so lässt sich die Episode mit den Färberschwestern als Satire auf Jugendlichkeitswahn und Schönheits-OPs verstehen); leider überwiegt aber dennoch der Eindruck, dass Garrone in erster Linie auf die bizarren Elemente Wert legt und sich v.a. deshalb als Märchenonkel versucht, um uns stolz alle Absonderlichkeiten präsentieren zu können. Wie in einer Nummernrevue von Fellini bekommen wir Fabeltiere, Monster, Gaukler und riesenhafte Höhlenmenschen geboten, während der viel zu lange Film aber keine klare Struktur erkennen lässt und eher ziellos dahinmäandert.

Bloß weil sich bei feierlichen Anlässen wie Begräbnissen oder Hochzeiten die Herrscher nebst Gefolge im jeweiligen Nachbarreich einfinden, ist das noch lange keine gelungene Verknüpfung oder gar Engführung der Geschichten und ergibt kein abgerundetes Ganzes.

Wir bleiben daher realistisch und vergeben 6 von 10 Es-hat-nicht-sollen-sein-Punkten.

Das Märchen der Märchen

Das Märchen der Märchen

I/F/GB 2015

Il racconto dei racconti

Romanze, Fantasy
28.08.2015
Matteo Garrone
Drei Geschichten nach der Vorlage des neapolitanischen Barockautors Giambattista Basile in einem poetischen Fantasy-Film mit gewaltigen Bildern und großartiger Besetzung.
6.50

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