Filmkritiken
29.04.2015

ROADMOVIE DURCH EINE SINNKRISE

Es gibt Filme, die das Kino brauchen. Einer davon ist "Gehen am Strand" von Caspar Pfaundler. Sein Film braucht einen verdunkelten Ort, in dem man ausharrt, bis das Saallicht wieder angeht.

Im Mittelpunkt der Nicht-Handlung steht Anja. Sie ist Ende Zwanzig und fast fertig mit dem Studium, kann sich aber nicht zum Schreiben der Diplomarbeit durchringen. Ähnlich unentschlossen ist sie in ihren Beziehungen. Im Schwebezustand zwischen Depression und Rebellion lebt sie ohne Handy und Internet. Als ihre Großmutter in Den Haag stirbt, fährt Anja zum Begräbnis und trifft dort ihren Vater, der sie und ihre Mutter verlassen hatte, als sie noch ein Kind war.

Beim Gehen am Strand stellt sich Anja Fragen, deren Beantwortung sie aus der Gefangenschaft ihres Gemütszustands befreien könnten: Wer bin ich wirklich und wie unabhängig sind meine Entscheidungen? Antworten auf diese Fragen gibt es keine – weder für die Protagonistin noch für die Zuschauer. "Gehen am Strand" ist ein Roadmovie durch eine Sinnkrise – und nach "Lost & Found" und "Schottentor" - der Abschluss von Caspar Pfaundlers "Trilogie des Verlorenseins".

Pfaundler erzählt die Geschichte eines inneren Widerstands fast ohne Dialoge und in langsamen, einfachen Bildern. Die Stille des Films gibt den Zuschauern Raum, die Handlung mit eigenen inneren Monologen zu füllen. Kino als Therapiesitzung, die viel Geduld erfordert.