Filmkritiken
04.03.2015

ROADTRIP DURCH EINE ÜBERDOSIS VERGANGENHEIT

Der Vater war ein Held. Er kämpfte mit Titos Partisanen gegen die Faschisten. Und als Marschall Titos Brille kaputtging, hat der Vater sie repariert und den Kampf der Partisanen gerettet.

Es dauerte eine Zeit lang, bis Adriana Altaras überriss, dass die Heldentat ihres Vaters mehr dem Mythos als der Wirklichkeit geschuldet ist; Tito trug während des Zweiten Weltkrieges keine Brille.

Aber der " Überdosis an Vergangenheit", mit der Altaras durch ihre jüdische Familiengeschichte zu kämpfen hat, stellt sie sich trotzdem. Die in Deutschland lebende Schauspielerin mit kroatischen Wurzeln unternimmt einen Roadtrip: durch Deutschland, Italien und Ex-Jugoslawien – je nachdem, wohin es ihre Eltern und Verwandten verschlagen hat. Dazwischen webt sie private Super-8-Filme aus dem Familienbesitz und entwirft damit ein tragisch-komisches Porträt einer jüdischen Familie – mit sich selbst in der charmanten Hauptrolle.

Regisseurin Regina Schilling begleitet die Tochter jüdischer Partisanen auf einer Spurensuche in Form einer Reise von Berlin über Gießen, Italien bis nach Zagreb, Split und Rab.