Filmkritiken
10.05.2017

"Rückkehr nach Montauk": Intellektueller Skarsgard mit Herzschmerz

Volker Schlöndorff beweist, dass er noch immer zu den großen Regisseuren unserer Zeit zählt.

Der in Berlin lebende Autor Max Zorn (Stellen Skarsgard) kommt für seine Buchpräsentation zurück nach New York. Seine weitaus jüngere Freundin Clara freut sich, ihn nach Monaten wiederzusehen und sein Buch der Öffentlichkeit vorzustellen. Als er seinen alten Lehrmeister Walter bei seiner Lesung trifft, erfährt er den Aufenthaltsort seiner früheren Geliebten Rebecca Epstein (Nina Hoss). Getrieben von Nostalgie und der Hoffnung auf einen Neuanfang, setzt er sich mit ihr in Kontakt und versucht die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Masochistischer Nostalgiker

Rückkehr nach Montauk“ basiert auf einer Erzählung von Max Frisch, ein langjähriger Freund des Regisseurs Volker Schlöndorff. Im Original waren für Schlöndorffs Geschmack zu viele Rückblenden für eine filmische Umsetzung, deshalb beschloss er mit dem irischen Schriftsteller Colm Toibin ein eigenständiges Drehbuch zu schreiben und nennt den Film „ein Andenken an Max Frisch“. Die Geschichte handelt von falschen Entscheidungen und unwiederbringlichen Beziehungen die sich Max herbeiwünscht und dabei sein jetziges Leben vollkommen außer Acht lässt. Max und Rebecca können nicht dort aufhören, wo sie vor 20 Jahren aufgehört haben, beide haben sich inzwischen ein eigenständiges Leben aufgebaut und müssen nach dem gemeinsamen Wochenende wieder zurück in ihren Alltag.

New York-New York

Die Geschichte spielt sich an einem Wochenende in New York ab und wirkt durch den zeitlich- und räumlich streng begrenzten Rahmen sehr kompakt. Max führt uns mit seinem neugierigen Blick durch New Yorks Luxus-Apartments und überteuerten Ein-Zimmer Wohnungen. Er steckt in einem Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Als armer Autor lebte er in einer Bruchbude und lernte Rebecca kennen, jetzt ist er ein gefeierter Autor und die Literaturwelt liegt ihm zu Füßen. Er strebt nach dem besten aus zwei verschiedenen Welten aber muss sich dem Zahn der Zeit geschlagen geben.

Herzensprojekt

„Rückkehr nach Montauk“ war ein Herzensprojekt von Schlöndorff und die Dreharbeiten seien einer der schönsten in seiner Karriere gewesen. Das Drama sei autobiografisch und habe dem deutschen Altmeister geholfen, einige persönliche Probleme zu überwinden. Die Finanzierung des Projektes gestaltete sich vor allem durch die Länge der Dialoge schwierig. Nachdem Hauptdarsteller Stellan Skarsgard das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte schickte er Schlöndorff eine Nachricht, in der er das Projekt „das vermutlich teuerste Hörbuch der Welt“ nannte. Die Dialoge sind zwar sehr ausführlich aber harmonieren wunderbar mit der Arbeit von Kameramann Jerome Almeras, weshalb der Film kaum Längen hat. Der geschickte Einsatz von natürlichem Licht verleiht dem Film eine eigene Ästhetik und offenbart Schlöndorffs Verehrung für Kameralegende Sven Nyqvist.

Seine Weltpremiere feierte das Beziehungsdrama im Wettbewerb der Berlinale und ging überraschenderweise leer aus. In Anbetracht der schauspielerischen Leistung von Skarsgard und Hoss wäre ein Silberner Bär in der Schauspielkategorie nicht verwunderlich gewesen.

Özgür Anil

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