Filmkritiken
11/03/2010

SCHMERZENSREICHER MÄNNERTRIP

Robert Downey Jr. im Wettlauf mit seinem ungeborenen Kind: als werdendem Vater bleiben dem Architekten Peter Highman 5 Tage, um quer durch Amerika zum freudigen Ereignis anzureisen. An sich genügend Zeit zum Absolvieren einer mehrstündige Flugreise, sollte man glauben, doch leider meint es das Schicksal nicht gut mit ihm und lässt Möchtegern -Schauspieler Ethan Tremblay (Zach Galifianakis) seine Wege kreuzen, in dessen Umgebung unweigerlich das vorprogrammierte Chaos herrscht. Nachdem die beiden von allen Fluglinien als unerwünschte Passagiere eingestuft wurden und Peter auch noch sein Bargeld nebst Kreditkarten verloren hat, muss er wohl oder übel mit dem verhassten Reisepartner per Autor nach Westen aufzubrechen. Ein hindernis- und verletzungsreicher Trip durch die amerikanische Provinz nimmt seinen Ausgang.

Zach Galifianakis schreckt wie üblich vor keinem noch so obsessiven Körpereinsatz zurück und obwohl er immerhin nicht hingebungsvoll furzt oder rülpst, hält er sich an anderen Aktionen mehr als schadlos. Er spielt hier einen vulgären Lackel, der aber trotz all seiner Bulligkeit (und einer Französische Bulldogge als Begleitschutz) ganz und gar nicht aggressiv auftritt, sondern eher ein primadonnenhaftes Gehabe an den Tag legt. Als weitere überdrehte Note sieht das Drehbuch vor, dass er die pulverisierten Überresten seines Vaters im Reisegepäck mit sich trägt. Sinnigerweise ist das Häufchen Asche in einer Instant-Kaffeedose untergebracht, was im Lauf des Films – wie könnte es anders sein - zu einem eher ungustiösen Zwischenfall führt.

Die Grundidee von Todd Phillips jüngstem Ausflug in die lustigen Gefilde ist äußerst einfach: Ein cholerischer Neurotiker trifft auf eine Nervensäge mit kindlich-boshaftem Gemüt, und der Regisseur ist überzeugt, dass sein Film vor allem dank Anti-Chemie funktioniert: „ Zwei Typen reden aneinander vorbei, sie verstehen sich überhaupt nicht, gehen ständig aufeinander los. So entsteht Spannung, als Stoff, aus dem Komödien sind.“

Natürlich ist bei diesem Konzept ein Charakterwandel vorgesehen: Peter muss erst menschlich werden, bevor er Vater werden darf. Zu diesem Zweck macht er einige schmerzhafte Erfahrungen durch, kassiert von einem gelähmten Golfkriegs-Veteran Prügel, überschlägt sich mehrfach mit Autos, wird von der mexikanischen Grenzpolizei hopsgenommen und fängt sich, abgesehen von ein paar sonstigen Unbequemlichkeiten, auch eine Pistolenkugel ein. Immerhin findet er zwischendurch etwas seelische Tröstung dank unfreiwillig inhaliertem Pot, denn „Stichtag“ versteht sich auch als Kiffer-Komödie.

Die Originalität von Todd Phillips Vorgänger-Hit „The Hangover“ erreicht sein neuster Film leider nicht: an Roadmovies, die ein ungleiches Männerpaar zusammenspannen, herrscht ja nun wahrlich kein Mangel. Man könnte das Werk als inoffizielles (und entsprechend derber geratenes) Remake von „Ein Ticket für Zwei“ betrachten; veredelt durch einen zunehmend stärker lädierten Downey Jr., neben dem Galifianakis trotz seiner optischen Präsenz meist zum reinen Stichwortgeber herabsinkt.

Ich vergebe also 6,5 von 10 möglichen Begeisterungspunkten auf meiner rastlosen Roadmovie-Skala.

Einem küftigen Vater bleiben fünf Tage, um rechtzeitig zur Geburt nach Hause zu kommen. Gemeinsam mit einem chaotischen Nachwuchsschauspieler bricht er per Anhalter zu einem Tripp voll heilloser Verwicklungen auf.