Filmkritiken
07/22/2014

SCHWER ANGESCHLAGEN DURCH DRAGO BLUTFAUST

von Franco Schedl

Drache zahm, Mission erfüllt, Film zu Ende! Wieso gibt es dann trotzdem noch einen zweiten Teil der animierten Wikinger-Saga? Ganz einfach: weil der erste so vergnüglich gewesen ist, dass es einfach Unterhaltungs-Pflicht war, die Erlebnisse des jungen Hicks und seines geflügelten Nachtschatten-Freundes Ohnezahn weiterzuerzählen. (Abgesehen davon kann eine Trilogie nicht gut mit dem Eröffnungsteil zu Ende gehen.)

Fünf Jahre nach den Vorfällen von Teil 1 ist für die Wikinger der Ortschaft Berk ihre Intimfeindschaft mit den Feuerspeiern längst Geschichte und sie vertreiben sich die Zeit hauptsächlich mit luftig-akrobatischen Drachenrennen. Aber neue Herausforderungen und Gefahren erwarten sie bereits: bei einem seiner Entdeckungsflüge mit Ohnezahn trifft Hicks auf fremde Drachenjäger und erfährt von der Existenz eines kriegslüsternen Bösewichts namens Drago Blutfaust, der Drachen und Menschen gleichermaßen unter seine Gewalt bringen will und dabei mit äußerster Brutalität vorgeht.

Nicht nur Harry Potter hat das Privileg, im Lauf einer Filmreihe zu altern, sondern auch an Hicks geht die Zeit nicht spurlos vorüber und so ist aus dem kleinen Helden inzwischen ein junger Mann geworden, der in diesem Abenteuer eine entscheidende Wandlung durchläuft. Doch auch Ohnezahn zeigt, was in ihm steckt und wird am Ende in einer ziemlich machtvollen Position zu sehen sein.

Die Geschichte besticht mit unerwarteten Wendungen und schreckt auch nicht davor zurück, eine zentrale Figur mittendrin aus dem Rennen zu nehmen (oder weniger vornehm formuliert: sie wikingerhart abmurksen zu lassen) – dafür bekommen wir sozusagen als Ausgleich ein paar vielversprechende menschliche und tierische Neuzugänge geboten. Rein optisch präsentieren sich die farbenfrohen Urviecher in einer fast unüberschaubaren Vielfalt, und ein paar von ihnen halten noch ganz spezielle Überraschungen bereit. Es müssen nämlich nicht alle Drachen einfallslose Feuerfontänen speien – besondere Exemplare senden auch vereisende Atemwolken aus; und sobald zwei uralten Drachengiganten miteinander kämpfen, ergeben sich regelrecht Godzilla-taugliche Szenen.

Der erzählerische Tonfall ist diesmal längst nicht mehr so unbeschwert und humorvoll wie bisher, sondern die ernsten Züge dominieren. Dennoch besteht kein Grund, die Altersfreigabe höher einzustufen: wie zahlreiche bei der Pressevorführung anwesende Kinder bewiesen haben, ist auch die Fortsetzung locker für alle ab 6 geeignet. Für uns ergibt das alles beinahe eine Höchstwertung mit 9 von 10 einklappbaren Drachenzähnen.

Teil 2 der epischen Trilogie bringt uns zurück in die fantastische Welt von Hicks und Ohnezahn - fünf Jahre, nachdem die beiden die Drachen und Wikinger erfolgreich zusammengeführt haben.