SCHWULES BIOTOP DES (TÖDLICHEN) BEGEHRENS

Guiraudie siedelt sein minimalistisches, punktgenau erzähltes Szenario an einem idyllischen See in Südfrankreich an. Es herrscht brütende Sommerhitze. Jeden Tag parken Männer ihre Autos am Parkplatz, durchqueren ein kleines Wäldchen und setzen sich ans Seeufer. Dort checken sich sich gegenseitig ab und suchen nach einem Partner, mit dem sie in den Büschen verschwinden können.

So auch der hübsche, junge Franck. Schwitzend betrachtet er das Angebot und unterhält sich dazwischen mit einem etwas älteren, dicklichen Mann. Zwischen den ungleichen Besuchern entsteht so etwas wie Freundschaft. Doch sein begehrendes Auge hat Franck auf einen mysteriösen Unbekannten geworfen, dessen Erscheinung stark an Tom Selleck erinnert. Von dem Unbekannten geht allerdings auch eine tödliche Gefahr aus, die ihre Schatten auf das Paradies sexueller Entfesselung wirft. In aller Selbstverständlichkeit – auch gegenüber einem Mainstream-Publikum – entwirft Guiraudie ein Biotop schwulen Begehrens und zeigt expliziten Sex. Inmitten einer fantastisch flirrenden Natur, die er intensiv libidinös auflädt – um sie dann langsam in einen kriminalistischen Albtraum zu entladen. Der Fremde am See.

Der Fremde am See

Der Fremde am See

F 2013

L'Inconnu du lac

Drama, Erotik
29.11.2013
Alain Guiraudie
Ein Film über Männer, in dem alles direkt und unverstellt erscheint: die taxierenden Blicke, die aufrichtigen Konversationen, die körperliche Lust.
6.90

Kommentare