Semiconductor

 
Kurzfilm 63 min.
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Eines der renommiertesten Duos der Experimental- und Animationswelt ist dieses Jahr auf Einladung von VIS in Wien: Semiconductor. Ruth Jarman und Joe Gerhardt, denen das internationale Tribut gewidmet ist, produzieren seit 1997 Arbeiten im Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Animation, Visualisierung des Unsichtbaren und Sinnlichmachung technischer und Natur-Phänomene. Wie würden elektromagnetische Strahlen aussehen, wenn man sie sehen könnte? Semiconductor wissen sicher eine Antwort. Die Arbeiten wurden von den Künstlern selbst ausgewählt.

FILMPROGRAMM

Ruth Jarman und Joe Gerhardt

Retropolis, UK 1999, 5 min
A-Z of Noise, UK 1999, 1 min
Puffed Rice, UK 2000, 3 min
Inaudible Cities: Part One, UK 2002, 7 min
The Sound of Microclimates, Frankreich/UK 2004, 8 min
All the Time in the World, UK 2005, 5 min
200 Nanowebbers, UK 2005, 3 min
Brilliant Noise, USA/UK 2006, 6 min
Magnetic Movie, USA/UK 2007, 5 min
Matter in Motion, Italien/UK 2008, 6 min
Black Rain, UK 2009, 3 min
Heliocentric, UK 2010, 12 min

Über SEMICONDUCTOR: Zwischenwelten

Was spielt sich in einem elektrophysischen Labor ab, wenn die WissenschaftlerInnen mal kurz den Raum verlassen haben? Wie ein seltsames Wesen breiten sich plötzlich elektromagnetische Strahlen im Labor aus, entwachsen den Apparaturen, die sie geschaffen und kontrolliert haben. Ein Faden springt nach rechts und tastet sich durch den Raum, gleitet schließlich gar durch Wände und geschlossene Fenster. Ähnlich einem aufgeregtem Insektenschwarm wuseln Teilchen unter einer Glashaube und machen so die naturwissenschaftlichen Fakten und Daten zu einem lebendigen Farbenspiel. Science Fiction oder Ficional Science? Wenn man sich ein magnetisches Feld vorstellen müsste, wie würde es dann aussehen? Und welche Farbe hätte es? Ist Surren kreisförmig? Und Krach: spitz und pastellfarben?

Solche - allerdings noch viel spezifischere und naturwissenschaftlich präzisere - Fragen könnte man am Anfang jedes Entstehungsprozesses der Filme von SEMICONDUCTOR vermuten. Das Filme-, Video-, und Kunstmacher-Duo besteht aus Ruth Jarman and Joe Gerhardt, die seit 1997 im Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Animation arbeiten und sich - wenn man so will - mit einer "Versinnlichung" technischer sowie natürlicher Phänomene beschäftigen. Mit Lupe, Teleskop und Pinzette ausgestattet betreten wir mit ihnen die Weiten des Weltraums oder den Mikrokosmos in unserer unmittelbaren Umgebung. SEMICONDUCTOR haben immer ein Auge für außergewöhnliche, aber dennoch naturimmanente Phänomene. Mittels digitaler Animation erschaffen sie mit ihren Arbeiten Zwischenwelten.

Die Versuchsanordnungen und Untersuchungsgegenstände sind der Astronomie oder der Strahlen- und Magnetfeldforschung, aber auch der Klimatologie oder Meteorologie entlehnt. Auch Architektur spielt in den Videos und Installationen der Künstler eine wesentliche Rolle: So befinden wir uns etwa mit The Sound of Microclimates im belebten Paris. Der Fokus ist auf die mikroklimatischen Bedingungen in der Stadt gelenkt, die wiederum wesentlich beeinflusst werden von der umgebenden Stadtarchitektur.

Das Video Matter in Motion wurde bei VIS 2009 bezeichnenderweise in einem Programm mit dem Titel "Projecting Architecture" gezeigt; damals ging es um die Visualisierung akustischer Phänomene an spezifischen Orten, die sich in geometrisch-skulpuraler Form in die jeweiligen Orte einschrieb. Ähnliches geschieht in Inaudible Cities, wo virtuelle Städte aus Sounds entstehen und kontrolliert werden. Dafür schrieben SEMICONDUCTOR ein eigenes Programm, das aus einzelnen Soundparts animierte Landschaften und Environments generiert.

Für ihre Herangehensweise und ihre Verbindung der Bereiche der Kunst und der Naturwissenschaft haben SEMICONDUCTOR zahlreiche Preise gewonnen, und - für ihre Arbeitsweise vermutlich noch wesentlicher - Einladungen zu Residencies und Stipendien. So wurden sie im Darwin-Jahr zum Gulbenkian-Galapagos-Projekt auf den Galapagos-Inseln geladen. Dort recherchierten die Künstler für ihren neuen Arbeitskomplex, der unter dem Titel Worlds in the Making zusammengefasst wird. Die erste Arbeit aus diesem Zyklus mit dem Titel INDEFATIGABLE feierte 2010 in Venedig seine Premiere.

Brillant Noise, schon im Titel eine synästhetische Verbindung, entstand im Rahmen NASA Space Sciences Fellowship 2005. Für den direkten Blick auf die Sonne nutzen sie Rohmaterial der NASA, das bisher noch nicht für den öffentlichen Gebrauch aufbereitet wurde. In All the Time in the World scheinen die beiden Künstler schließlich die Auswirkungen von Zeit in der Veränderung von Landschaften innerhalb von Jahrmillionen nachzeichnen zu wollen. SEMICONDUCTOR entführen uns in die Schönheit der Naturwissenschaft und zeichnen ihre Sicht der Welt in ihren Zwischenwelten.

Text: Wiktoria Pelzer, Gerald Weber.

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