Filmkritiken
06.01.2011

SHOW-WOMAN ALS BLICKFANG

Christina Aguilera ist zwar mit 30 bereits ein alter Hase im Showbiz, aber als Attraktion im großen Filmzirkus hat sie sich bisher noch nicht produziert. Angeblich hatte sie keine Lust, Rollen zu spielen, die zu sehr ihrer eigenen Person ähnelten. Erst als sie ein Drehbuch fand, in dem sie ein Showgirl verkörpern soll, das einen sagenhaften Karriere-Schnellstart hinlegt, sagte sie beruhigt zu, da sie sich darin offenbar nicht wiedererkennen konnte.

„Burlesque“ erzählt von einem US-typischen Aufsteigerschicksal: eine Kellnerin aus der Provinz ergattert einen Job als Barkeeperin in der Burlesque Lounge des legendären Revue-Stars Tess (die bis zur Geisterhaftigkeit schönheitsoperierte Cher), landet aber bald selber auf der Bühne und erweist sich mit ihrem Live-Gesang als absoluter Publikumsmagnet.

Eine Oscar-reife darstellerische Leistung hätte sich niemand von Aguilera erwartet und man kann nur angenehm überrascht feststellen, dass sie gar keine so üble Figur als amerikanische Hinterlandpomeranze macht. Sobald sie dann aber auf der Filmbühne steht und richtig loslegt, ist sie erst recht in ihrem Element und wie ein Beobachter der Burleque-Show ganz richtig anmerkt, kann man keine Sekunde die Augen von ihr lassen – dafür sorgen jede Menge mitreißender Performances mit tollen Tanzeinlagen.

Aguilera hat natürlich selbst etliche Songs beigesteuert, von denen besonders das eingängige „Show Me How To Burlesque" beim großen Finale hervorgehoben zu werden verdient. Aber auch für Cher sind ehrenhalber zwei Gesangsnummern drin.

Die Geschichte drum herum kann als notdürftiger Pausenfüller zwischen den Musiknummern grade noch durchgehen: die Drehbuchautoren haben sich einfach ein paar unverzichtbare Standardcharaktere abgerungen – als da wären: die ruppige und in die Jahre gekommene, aber im Grunde doch mit einem goldenen Herzen ausgestattete Übermutter Cher; die intrigante Zicke aus dem Ensemble ( Kristen Bell); der zurückhaltende arme Frauenschwarm (Cam Gigandet), dessen kreatives Potential noch auf Entfaltung wartet, und sein potenterer Konkurrent in Gestalt eines Investors (Eric Dane), dem das Geld sozusagen aus allen Körperritzen quillt.

Doch jugendfreie Weichzeichner-Erotik, die David Hamilton alle Ehre macht, stimmt auch den Filmkritiker weich, weshalb ich milde 7,5 Punkte auf meiner 10stelligen Burleskala vergebe.