Filmkritiken
25.09.2011

SINNENENFROHE IRISCHE VERBRECHERJAGD

Schon bei seiner ersten Amtshandlung nach einem der seltenen, aber scheinbar oft letalen, Autounfällen auf Westirlands leeren Straßen, zeigt uns Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) eine Kostprobe seines Dienstverständnisses: die gefundenen Drogen werden in Gewahrsam genommen - und auch gleich verkostet. Nein, dieser Cop ist eindeutig kein Musterknabe, aber er lebt und überlebt seinen etwas eintönigen Polizistenalltag, den er sich mit Alkohol, Prostituierten und vor allem einer gehörigen Portion Zynismus versüßt, ganz gut. Bis ein Mord passiert, kein normaler Mord, sondern eine regelrechte Hinrichtung. Als sich auch noch herausstellt, dass hinter der ganzen Sache ein riesiger internationaler Drogendeal steckt, ist sein neuer humorloser Kollege noch sein geringstes Problem. Denn in seine Welt des leicht ignoranten Leben und Leben-lassens, brechen nun Horden von sich sehr wichtig nehmenden Spezialeinheiten aus der „großen“ Stadt Dublin ein, und zu guter letzt sogar noch ein „Kollege“ von Übersee, FBI Mann Wendell Everett (Don Cheadle).

Zwischen diesen beiden Männern entwickelt sich der Film zu einem respektablen Polizisten-Buddy Movie, das aber Dank eines herrlich erfrischenden, respektlosen Drehbuchs und darauf perfekt abgestimmten Hauptdarstellern, zu keinem klassischen Vertreter dieses Genres ausartet. Denn obwohl man auf Grund seines vertrottelten deutschen Zusatztitels „Ein Ire sieht schwarz“ schon mit schlimmem Klamauk rechnen könnte, ist „The Guard“ trotz seines hohen Unterhaltungswerts vielmehr Thriller als Komödie. Der Humor in diesem Films ist nicht nur ein Lückenfüller zwischen diversen Verfolgungsjagden und Explosionen, dafür ist er auch viel zu böse, zu political incorrect. Was Sergeant Boyle hier absondert, dient eher dazu, den Film um gewisse gesellschaftlich brisante Themen zu bereichern, dichter zu machen. Sehr oft bleibt einem dann auch das Lachen im Hals stecken, denn hinter all diesen Dingen, welche man eigentlich nicht sagen darf, die Boyle aber völlig ungeniert ausspricht, tun sich die wahren Abgründe des Films und auch der Gesellschaft auf.

Regisseur John Michael McDonaghs Film ist aber trotz des eher dahinplätschernden Plots auch einfach „nur“ ein sehr spannender Thriller, der weniger auf die beeindruckende Landschaft Irlands als auf seine etwas eigenwilligen Charaktere setzt. Philosophische Diskurse führende Drogenkuriere und kauzige Eingeborene, die mit dem schwarzen FBI Mann grundsätzlich nur gälisch reden, machen das Geschehen etwas surreal. Hier wäre ein bisschen weniger vielleicht ein bisschen mehr gewesen; auch die „Wuchtldichte“ ist manchmal (zu) hoch.

Trotzdem vermag der Film bis zum westernhaften Showdown zu fesseln und intelligent zu unterhalten. Brendan Gleeson als bärbeißiger Irish Guard, der vieles sagt, was andere nicht einmal zu denken wagen, und Don Cheadle als geschleckter, überkorrekter Agent sind ein wahres Vergnügen. Am Ende bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Wurde Boyle bei den olympischen Spielen in Seoul wirklich Vierter im 1500m Freistilbewerb?

Fazit: „The Guard“ ist ein toller, witziger und spannender Film, der trotz einer angeblich gemeinsamen Sprache wieder einmal den Unterschied zwischen den USA und England im Allgemeinen und den Iren im Besonderen deutlich macht. Natürlich ist die Originalfassung vorzuziehen, aber falls man nicht mindestens ein Jahr in Irland verbracht hat, eignet sie sich nur mit Untertiteln. Der Film hat sich 8 von 10 Pints of Guinness verdient, eines davon spendiere ich exklusiv Mr. Gleeson für seine beeindruckende Performance als Sergeant Boyle.

Gerry Boyle ist Polizist in einem kleinen Nest an der irischen Westküste. Er hat einen eigenartigen Sinn für Humor, eine Vorliebe für Prostituierte und eine Mutter, die im Sterben liegt.