Gervais wird 65: Warum wir „den Hofnarren“ brauchen

Ricky Gervais steht in einem schwarzen T-Shirt vor einem roten Vorhang und zeigt mit dem Finger zur Seite.
Seine Mockumentary „The Office“ löste weltweit Begeisterung aus. Nun wird der geniale Komiker und Provokateur 65.

Die Verleihung der Golden Globe Awards 2010. Im Saal absolute Hollywood-Größen wie Meryl Streep, Tom Hanks, Cameron Diaz oder Leonardo DiCaprio. Komiker Ricky Gervais (65) erklärt in seinem Eröffnungsmonolog der versammelten Schauspiel-Prominenz: „Allein der Anblick all dieser Gesichter hier erinnert mich an die großartige Arbeit, die in diesem Jahr geleistet wurde - von plastischen Chirurgen.“

Es ist ein ganz typisches Beispiel für einen sehr prominenten Aspekt des Schaffens von Ricky Gervais, der nun seinen 65. Geburtstag feiert. Der Stand-up-Komiker, Autor, Schauspieler und Podcaster ist für seinen überaus bissigen Humor bekannt, den einige als grenzüberschreitend wahrnehmen.

Gervais selbst sieht das naturgemäß ein wenig anders. Gegenüber dem britischen „Guardian“ sagte er einmal über seine Auftritte bei den Golden Globes: „Soll ich mich bei den 200 Milliardären im Saal einschmeicheln oder bei den 200 Millionen Menschen zu Hause, die Bier trinken und keine Preise gewinnen, die keine Milliardäre sind? Für einen Komiker ist das keine Frage. Ich bin ein Hofnarr. Ich performe für das andere Gesindel, das im Schlamm feststeckt.“

Bei den Golden Globes hat das für Gervais im Übrigen ganz hervorragend funktioniert. Fünf Mal hat er die Awards-Show bislang moderiert.

Mehr als nur ein Provokateur

Seinen Durchbruch erlebte Gervais dabei verhältnismäßig spät. Das originale britische „The Office“, von ihm und Stephen Merchant (51) bei der BBC erdacht, flimmerte im Sommer 2001 über die Bildschirme. Da war Gervais fast auf den Tag genau 40 Jahre alt.

Das Format um einen Chef, der bei seinen Angestellten Schaudern auslöst, und einen Arbeitsplatz des täglichen Wahnsinns fand weltweit Fans und wurde in zahlreichen Ländern als lokale Version adaptiert. Die US-amerikanische mit Steve Carell (63) in der Hauptrolle lief mit neun Staffeln am bislang längsten. Auch die deutsche Version „Stromberg“ begeisterte - und brachte gerade erst nach längerer Pause einen weiteren Kinofilm hervor.

Als Erfinder von „The Office“ hat Gervais mit diesem weltweiten Erfolg viel Geld verdient. Der „Guardian“ schätzte sein Vermögen im Jahr 2021 auf 105 Millionen Pfund, also nach heutigen Wechselkursen über 120 Millionen Euro.

Perfekte Meta-Serie „Extras“

Dass es sich bei dem Serienschöpfer Gervais nicht um eine Eintagsfliege handelt, bewies gleich seine nächste Produktion nach „The Office“. In der BBC-HBO-Serie „Extras“ spielt er einen Statisten, der sich am Set großer Hollywood-Produktionen rumtreibt und in aberwitzige Situationen mit den Stars gerät. In Staffel zwei spielten etwa „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe, Sir Ian McKellen, David Bowie und Robert De Niro fiktionalisierte Versionen von sich selbst.

Doch „Extras“ bietet auch noch mehr als nur Meta-Humor, besticht etwa auch durch eine ganz wunderbar gezeichnete Freundschaft zwischen Gervais' Andy Millman und seiner besten Freundin Maggie, gespielt von Ashley Jensen (56).

Auch mit vielen anderen Projekten war Gervais im Lauf der Jahre erfolgreich, etwa seiner humoristischen Reisedokumentation „An Idiot Abroad“ oder seinem Podcast „The Ricky Gervais Show“.

Privat ist der Komiker seit dem Jahr 1982 mit seiner Partnerin liiert, der Autorin und TV-Produzentin Jane Fallon (65). Vor den Traualtar treten wollte das Paar allerdings nie, denn für Gervais würde es keinen Sinn ergeben, „eine Zeremonie vor Gott abzuhalten, weil es keinen Gott gibt“, erklärte der Komiker einmal gegenüber der britischen „Times“. Auch Kinder haben Fallon und er nicht in die Welt gesetzt, denn sie hatten „keine Lust, 16 Jahre ihres Lebens dafür aufzuwenden ... und es gibt natürlich ohnehin zu viele Kinder“.