Staub (2007)

 D/CH 2007
90 min.
film.at poster

PROPOSITIONS Ausgewählte Beispiele eines Neuen Kinos Staub. Ein Konglomerat feinster Partikel, das sich in Bewegung setzt, sobald die Dinge zur Ruhe kommen. Er wird bekämpft und beseitigt und kehrt noch im Verschwinden zurück. Ein Sisyphus, wer sich mit ihm anlegt. Staub nistet in Teppichböden und auf Dachstühlen. Er dringt in Laboratorien ein und legt sich auf Kunstwerke. Er wird von Fabrikschloten in die Luft geblasen und wohnt in jedem Regentropfen. Er ist das kleinste, noch unmittelbar sichtbare Objekt, von dem ein Film handeln kann. Hartmut Bitomsky geht den Weg des Staubs. Assoziativ und in sinfonischen Bewegungen folgt er ihm an Orte, wo er siedelt, und sucht Menschen auf, die sich mit ihm auseinandersetzen: Putzkolonnen in ihrem täglichen Kampf um Sauberkeit, Erfinder von Luftreinigungsgeräten, Wissenschaftler, welche die schädlichen Folgen von Feinstaub und uranhaltiger Munition aus den US-Waffenbeständen untersuchen, Botaniker, Meteorologen, Astronomen und Künstler. Eine Kultur des Staubs scheint auf, in ihrer konkreten Phänomenologie, als Projekt der Wahrnehmung und Schnittmenge anthropologischer und philosophischer Erkenntnisse. Staub markiert eine Grenze, an der wir gerade noch erfahren können, wer wir sind und wo wir herkommen, was wir tun und was aus uns werden kann oder soll. Staub verschwindet nicht. Schicht um Schicht eines uns vermeintlich bekannten Phänomens legt Bitomsky frei. Er sammelt in Interviews und Bildmomenten wissenschaftliche Fakten und alltägliche Notizen, verfolgt detailliert Produktions- und Forschungsprozesse und zieht historisches Film- und Fotomaterial heran. Sein Zugriff ist umfassend und universal. Nichts ist nur das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Immer neue Assoziationen und Verknüpfungen werden im sinfonischen Fluss des Off-Kommentars und der Montage zutage gefördert und stellen unser Wissen und unsere Wahrnehmung auf den Prüfstand. Staub ist mehr, als wir bislang zu kennen und zu sehen glaubten. (Mark Stöhr)

(Text: Viennale 2007)

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Hartmut Bitomsky
Kolja Raschke
Hartmut Bitomsky

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