Lea van Acken als Anne Frank

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Filmreview
03/02/2016

"Das Tagebuch der Anne Frank": Leben im Zwangsversteck

„..ich denke auch, dass sich später keiner, weder ich noch irgendein anderer, für die Herzensergüsse eines dreizehnjährigen Schulmädchens interessieren wird“, schrieb Anne Frank einst in ihr Tagebuch und hat damit nicht Recht behalten, denn jenes ist heute wohl das berühmteste der Welt und eines der wichtigsten Schriftstücke des Holocausts.

Nun erfolgt die erste deutsche Kinofassung über Anne Franks Leben, geschrieben von Fred Breinersdorfer, der bereits das Drehbuch von „Sophie Scholl“ schrieb, und verfilmt von Hans Steinbichler.

Was dem Film seine besondere Note verleiht ist vor allem die Nähe zu Anne Franks Originaltexten, die in das Drehbuch einflossen. Oftmals gibt es Close-ups von Lea von Aacken, die Anne Frank verkörpert, wenn sie monologisch in die Kamera spricht, was eine gewisse Unmittelbarkeit mit sich bringt. Man erlebt Anne Frank als eine lebensfrohe, hoffnungsvolle und erstaunlich erwachsene Person, die mit einer gefinkelt analytischen Gabe ihre Umwelt ganz genau unter die Lupe nimmt. Durch die subjektive Erzählstruktur bekommt man ein Verständnis dafür, wie plagend es sein musste, über Jahre hinweg auf engstem Raum mit sieben Mitbewohnern leben zu müssen, ohne jemals das Haus verlassen zu dürfen und in ständiger Angst vor Gestapo-Offizieren oder Bombenangriffen.

Die Dramatik der Geschichte ist selbstverständlich unausweichlich, allerdings konzentriert sich der Film auch auf schöne, glückliche Momente und übermittelt den Zuschauern neben den tragischen Aspekten dieses kurzen Lebens zugleich eine gewisse Normalität und Lebenslust, die sich Anne nicht einmal in ihrem Zwangsversteck hat nehmen lassen.

Zentraler Handlungsort des Films ist natürlich das Hinterhaus in dem Familie Frank mit den van Daans und dem später hinzugekommenen Zahnarzt Fitz Pilz gemeinsam lebten. Das Versteck wurde in einem Filmstudio detailreich nachgebaut, wobei wir stets bei der Hauptfigur bleiben, ihr beim Heranwachsen zusehen und ihr letztlich bis ins Konzentrationslager folgen. Jene Teile des Films, die sich nicht mehr an Annes Tagebuch orientieren, wurden vor allem in Kooperation mit dem ‚Anne Frank Fonds Basel‘ sorgfältig recherchiert.

Der Film verspricht hohe Authentizität und eine bewegende Geschichte, die angemessen erzählt wird und trotz des historischen Kontextes einen Aktualitätsbezug herstellt, der in Zeiten der Flucht und Vertreibung wichtiger denn je ist.

7 von 10 Punkten für die gelungene Inszenierung eines wichtigen historischen Dokuments.

katrin p. fröstl