TEMPOREICH GESTÖRTER MUSIKGENUSS

Eine von Schuldgefühlen geplagte Ehefrau, eine ebenfalls mit den Nerven ziemlich fertige Geliebte, ein etwas begriffsstutziger Sohn mit sozialer Ader und nervige Hausbewohner sind die Hauptschuldigen am unterbrochenen Musikgenuss; obendrein tragen auch ein paar schwarz beschäftigte Bauarbeiter zur allgemeinen Verwirrung auf zerstörerische Weise bei. Selbst für einen Parade-Egoisten wie den neurotischen Musikfreund (bezeichnenderweise heißt seine Lieblingsplatte „Me, Myself an I“) stellen die diversen Probleme eine schwere Herausforderung dar.

Vor rund 40 Jahren wäre das noch eine ideale Rolle für Louis de Funès gewesen, und Clavier kann, bis in typische Bewegungen hinein, nicht verleugnen, dass er die Schule seines großen Vorgängers besucht hat. Abgesehen vom Hauptdarsteller sind es in diesem Ensemblefilm v.a. zwei Frauen, die besondere Erwähnung verdienen: die wundervolle Carole Bouquet (durch das Mitwirken an Bunuels letztem Film „Dieses obskure Objekt der Begierde“ wurde sie 1977 weltberühmt) ist nach längerer Pause endlich wieder bei uns in einem Kinofilm zu sehen; und an der Haushälterin werden wir bestimmt ein markantes Profil aus etlichen Almodóvar-Filmen wiedererkennen – es gehört der Spanierin Rossy De Palma.

Durch reichliches Türgengeklapper steht das fürs Kino adaptierte Bühnenwerk ganz in der alten Tradition eines Boulevard-Stücks von Feydeau, zugleich bemüht sich Regisseur Laconte aber auch aktuelle Bezüge aufzunehmen und Sozialkritik unterzubringen. Ein temporeich-vergnüglicher Ensemblefilm ist ihm auf jeden Fall gelungen, selbst wenn der Titel etwas in die Irre führt, da uns nicht 60 sondern 79 unruhige Minuten erwarten.

8 von 10 Plattenumdrehungen.

Nur eine Stunde Ruhe

Nur eine Stunde Ruhe

F 2014

Une heure de tranquillité

Komödie
08.05.2015
Patrice Leconte
In der Hauptrolle brilliert der Comedy-Star Christian Clavier ("Monsieur Claude und seine Töchter") als neurotischer Musikliebhaber Michel...
5.50

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