Terra Incognita

 Libanon/Frankreich 2002
120 min.
film.at poster

Zustandsbeschreibung junger Mittdreißiger in Beirut, die nicht mehr im Krieg, aber auch nicht im Frieden leben.

Beirut ist eine Stadt in stetigem Umbruch: Siebenmal wurde die Stadt zerstört und wieder aufgebaut. Für die jungen Erwachsenen Soraya, Leyla, Tarek, Nadim und Haïdar scheint das Leben jedoch stillzustehen. Soraya ist Touristenführerin und durchquert den Libanon auf den Spuren von vergangenen Zivilisationen. Ihre Wege kreuzen manchmal die des Bürgerkriegs. Ihre Freundin Leyla bewegt sich zwischen Mythen und Atheismus. Nadim erfindet als Architekt seine Stadt auf dem Computerbildschirm neu. Tarek ist gerade in den Libanon heimgekehrt und fragt sich jetzt, warum er zurückgekommen ist. Haïdar ist Nachrichtensprecher beim Radio. Er betrachtet sich selbst nur als Beobachter der Informationen und seiner eigenen Existenz. Sie alle sind gefangen in der Gegenwart und wagen es kaum, ihren Blick auf die Vergangenheit zu richten geschweige denn in die Zukunft.

Siebzehn lange Jahre wütete der Krieg, der aus Beirut eine einzige Ruine gemacht hat. Siebzehn Jahre alt war Regisseur Ghassan Salhab, als die Zerstörung 1975 ihren Lauf nahm: «Man kann sagen, dass der Krieg während 17 Jahren meines Lebens den Takt angegeben hat.» Trotzdem möchte er Terra Incognita nicht als einen Film begriffen wissen, in dem «vom Krieg selbst die Rede ist». Vielmehr sieht er darin eine Zustandsbeschreibung junger Mittdreißiger, die «nicht mehr im Krieg, aber auch nicht im Frieden» leben. Fast dokumentarisch wirkt sein zweiter Film über den Libanon. Mitunter lange Plansequenzen vermitteln den Eindruck einer Stadt zwischen Agonie und Aufbruch, deren Bewohner sich so scheinbar orientierungslos durch das Leben treiben lassen wie der chaotische Straßenverkehr. «Eine anarchische Stadt, ein architektonisches und urbanes Chaos», schildert Salhab sein Beirut. Und doch wirkt der Film wie eine Liebeserklärung an die geschundene Heimat die er mit malerischen Landschaftsaufnahmen außerhalb Beiruts kontrastiert. (Frank Jürgens)

Details

Carole Abboud (Soraya), Abla Khoury (Leyla), Rabih Mroueh (Tarek), Carlos Chahine (Haïdar), Walid Sadek (Nadim)
Ghassan Salhab
Toufic Farroukh
Jacques Bouquin
Ghassan Salhab

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