Matt Damon in "The Great Wall"

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Filmkritik
01/12/2017

"The Great Wall": Chinesische Mauerschau auf Fabelwesen

Der Film bietet eine geschickt Mischung aus fernöstlicher Historie und Legende - wobei eindeutig die Fantasy-Elemente überwiegen.

Einige europäische Abenteurer durchstreifen das alte China, weil sie eine legendäre Geheimwaffe namens Schwarzpulver in ihren Besitz bringen wollen. Falls es dieses Wundermittel tatsächlich gibt, könnte man mit seiner Hilfe praktisch unbesiegbar werden, haben sie gehört. Leider ist das chinesische Hinterland nicht gerade gesundheitsfördernd, und so bleiben von der Gruppe nur zwei befreundete Söldner (Matt Damon und Pedro Pascal) am Leben, die plötzlich vor der großen Mauer stehen und von den chinesischen Streitkräften gefangen genommen werden. Die beiden kampferprobten Männer kommen aber gerade zur rechten Zeit und können sich nützlich machen, denn eine Horde bissiger Fantasiewesen - muskulöse Reptilienkörper mit zahngespickten geifernden Schlünden - droht die Mauer zu überrennen. Falls die grünen Viecher Erfolg haben, wäre die menschliche Zivilisation wohl dem Untergang geweiht. Und so entbrennt ein erbittertes Gefecht, bei dem die europäischen Haudegen ihre chinesischen Kollegen durch Tapferkeit beeindrucken; während die Westler vorm technischen Know-how ihrer fernöstlichen Mitstreiter immer größeren Respekt gewinnen.

Komischer Kreuzungsversuch

Der Film bietet eine geschickt Mischung aus Historie und Legende - wobei eindeutig die Fantasy-Elemente überwiegen - und schafft es, dank sinnvoll eingesetzter 3D-Technik immer wieder, Bilder von atemberaubender Schönheit und Opulenz hervorzurufen. Nur die angreifenden Fabelwesen wirken als eine Art Kreuzung zwischen Dinos und Aliens etwas lächerlich. Auch Nebenrollen sind übrigens prominent besetzt: Der asiatische Superstar Andi Lau steht erwartungsgemäß auf Seiten der Guten, während ein wie immer großartiger und äußerst wandelbarer Willem Defoe eine etwas undurchsichtige Rolle spielt.

Farbenfrohe Kampfordnung

In den langen Kampfszenen marschiert das chinesische Heer mit beeindruckender Präzision auf. Die einzelnen Abteilungen sind farblich genau unterschieden. So stecken etwa die Bogenschützen in roten und die Schwerkämpfer in gelben Gewändern, während eine blau gekleidete Frauentruppe eine besonders gefährliche Aufgabe übernimmt: auf langen Metallzacken, die von der Mauerkrone abstehen, balancieren sie über den Abgrund und stürzen sich dann in die Tiefe; da sie an Seilen hängen, werden sie wieder nach oben gerissen, doch zuvor durchbohren sie in Bodennähe die angreifenden Bestien mit ihren Speeren. Später steigen sie dann noch mit sehr fragilen Ballonkonstruktionen in die Lüfte.

China ist halt eindeutig die Wiege der Kultur: jetzt wissen wir also, dass dort nicht nur Schießpulver und Papier, sondern auch das Bungee Jumping und die Ballonfahrt erfunden wurden.

7 von 10 fabelhaften Punkten aus Fernost

franco schedl

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