The Walking Dead: Kein Ende in Sicht für Rick Grimes

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Endlich war es soweit: Gestern strahlte der US-Sender AMC die lange angekündigte Episode aus, in der die Hauptfigur Rick Grimes, gespielt vom britischen Schauspieler Andrew Lincoln, endgültig sterben sollte. Gleich vorweg: SPOILER-ALARM! Wer die Episode "What Comes After" (dt.: "Was danach kommt") noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen.

Denn dann würdet ihr gleich erfahren, dass der groß angekündigte Tod von Rick Grimes nur "Fake-News" war – oder wohl eher ein von langer Hand geplanter Marketing-Trick. Zu früh gefreut, ihr "Rick-Haters" da draußen. Die vermeintlich letzte Folge mit Andrew Lincoln war nur der Auftakt für den Spin-Off von drei TV-Spielfilmen im "The Walking Dead"-Universum. Ob die ohnehin schon in Scharen abwandernden Zuseher des einstigen TV-Serien-Phänomens das goutieren werden, bleibt freilich abzuwarten. Wir wagen, es zu bezweifeln.

 

Dramatischer Serientod ist nur ein Fake

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Schon Monate bevor "The Walking Dead" Anfang Oktober auf AMC in die neunte Staffel startete, ließ der US-Sender durchsickern, dass dies die letzte Staffel für Rick Grimes werden würde. Grund dafür sei der Ausstieg von Rick-Darsteller Andrew Lincoln. Der Brite wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, die in Großbritannien lebt. Zwar ließ der Sender das konkrete Ende der charismatischen Hauptfigur offen (Serientod oder auf andere Weise aus der Serie geschrieben), aber sein Tod schien ziemlich gewiss. In regelmäßigen Abständen verkündeten verschiedene Schauspieler sowie die neue Showrunnerin der Serie, Angela Kang, dass der Figur ein würdiger Abschied beschert werde.

Nun ist alles wie versprochen und doch irgendwie anders.

In "What Comes After" wacht Rick schwer verletzt auf, nachdem er schon am Ende der letzten Episode von einer Eisenstange durchbohrt wurde. Aufgrund seiner Verletzung halluziniert er ständig. Dieser Kunstgriff öffnet Tür und Tor für die in einer Abschiedsepisode obligatorischen Rückblicke. In seinen Halluzinationen begegnet Rick seinen verstorbenen Weggefährten Shane, Hershel und Sasha. Alle stehen natürlich für einen wichtigen Entwicklungsschritt von Rick und würdigen den Charakter. Am Schluss findet sich Rick in einem klaren Moment bei der Brücke wieder, die von den Zombies gestürmt wird. Ein letzter Blickkontakt mit Michonne und Daryl geht sich noch aus. Dann sprengt Rick die Brücke und rettet damit ein letztes Mal seine Freunde und die Gemeinschaft, deren Anführer er so lange war.

Rick ist tot. Zumindest glauben das alle. Doch wir sehen, dass die nie sehr vertrauenswürdige Jadis ihn aus dem Fluss fischt und in einen Helicopter verfrachtet. Jadis und Rick fliegen davon zu neuen Abenteuern von Rick Grimes.

 

Erneuter Zeitsprung: Judith steigt in Papas Fußstapfen

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Die Originalserie macht indessen einen weiteren Zeitsprung. Judith Grimes ist inzwischen etwa zehn Jahre alt. Die Tochter von Rick Grimes trägt nicht nur den Hut ihres verstorbenen Bruders Carl (den dieser bereits von seinem Vater bekommen hatte). Ganz offensichtlich hat sie auch alle Badass-Gene der Familie Grimes geerbt. Die knallharte Zehnjährige rettet gleich einmal eine Gruppe unbekannter Neulinge vor den Zombies. Alles ist wieder wie gehabt. Judith übernimmt die Rolle von Carl. Ricks Rolle werden sich wohl Michonne als Elternteil und Daryl als Anführer teilen.

 

Drei TV-Spielfilme mit Rick Grimes geplant

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"Die Geschichte von Rick wird in Filmen weitergehen", verspricht der langjährige Showrunner Scott M. Gimple. Er schreibt schon am Drehbuch des ersten Films. Darin soll erklärt werden, wer die mysteriösen "Helikopter-Leute" sind und wie es mit Rick weitergeht. Geplant sind ganze drei Stück, aber da sei man recht flexibel, so Gimple. Er ist ja von AMC zum kreativen Mastermind des "The Walking Dead"-Universums gemacht worden. Bisher besteht es nur aus der Originalserie und der Spin-Off-Serie "Fear the Walking Dead".

In der TV-Serie ist damit die nächste Grimes-Generation am Werk, während der Papa in drei abendfüllenden TV-Spielfilmen weiter gegen die Zombies kämpft. Wieso auch nicht? Beim " Star Wars"-Franchise hat diese Strategie kommerziell großartig funktioniert: Mit einer neuen Generation wird die bekannte Geschichte – selbstverständlich kreativ adaptiert – einfach noch einmal neu erzählt.

Und wer Rick Grimes kennt, wird wohl nicht daran zweifeln, dass er nur ein Ziel verfolgen wird: Wieder zu seiner Familie zurückzukehren. Wird es also irgendwann ein Wiedersehen mit den Figuren in der Originalserie geben? Geplant ist es zurzeit jedenfalls nicht, versichert Kang. Aber eines ist jetzt schon sicher wie das Amen im Gebet: AMC wird aus seiner Cash-Cow so lange wie möglich jeden Cent herausquetschen.

 

Erwin Schotzger

 

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