The Mad Songs of Fernanda Hussein

 USA 2001
168 min.
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Wie nebenbei erwachsen den mitunter psychedelischen Elegien John Gianvitos die Zusammenhänge aus Politik und nationaler Be­­findlichkeit.

«Don't trust anyone who isn't angry.» Dieser Satz des indianischen Freiheitskämpfers und Musikers John Trudell lodert in der Mitte des Films, der wider die Einheitsfront der Medien - und auf den Spuren der dokumentarisch-essayistisch-erzählerischen Gegenbilder Robert Kramers und Emile de Antonios - ein Epos der zerrütteten amerikanischen Volksseele im und nach dem Golfkrieg zeichnet. Drei Schicksale in der Wüste New Mexicos, welche die verschwiegenen Schicksale in irakischen Wüsten spiegeln: Der Kriegsheimkehrer Carlos findet hinter dem Desert Storm Memorial Parkway nur Leere und Entfremdung; die Kinder der Latina Fernanda Hussein werden wegen ihres Nachnamens getötet; der Teenager Raphael engagiert sich gegen den Golfkrieg und lernt: «The time for national debate is over.» The Mad Songs of Fernanda Hussein, ein «film maudit», über fünf Jahre hinweg mit Laien und fast ohne Budget gedreht, wird von beherztem Agitprop flankiert und erzählt vom Fremdsein im eigenen Land und vom Schmerz, zum Schweigen verdammt zu werden. Im überwältigenden Finale geraten Raum und Zeit fast aus den Fugen. John Gianvito: «Ich habe diesen Film gedreht, um nicht wahnsinnig zu werden.» (Christoph Huber) John Gianvito ist jemand, der nicht kalkuliert, der auf alle Effekte verzichtet. Er nimmt uns bei der Hand, damit wir mit ihm etwas empfinden. Er sagt, komm, schau hin, hör zu. Und das tun wir. (...) Warum hat niemand sonst das Thema des Golfkriegs im Kino auf diese Weise aufgegriffen? Es gab doch so viele Filme über Vietnam ... Vielleicht deshalb, weil sich diesmal die ganze Welt im Recht glaubte. Die ganze Welt - außer John Gianvito, der durch und für das Kino lebt und denkt. (Chantal Akerman)

(Text: Viennale 2008)

Details

Thia Gonzales (Fernanda Hussein), Robert Perea (Carlos Sandia), Dustin Scott (Raphael Sinclair), Sherri Goen (Azhar Hussein), Carlos Stevens (Ameer Hussein), Elizabeth Pilar (Pilar), Bill Facker (Mr. Sinclair), Ann Dasburg (Anna)
John Gianvito
Igo Tkachenko, Johannes Ammon, Jakov Jakoulov
Ulli Bonnekamp
John Gianvito, zusätzliche Dialoge von Suzanne Gaulin

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