Filmkritiken
22.06.2017

"Transformers 5: The Last Knight": Stonehenge unter Beschuss

Wir erfahren diesmal, wie die Transformers im Lauf der Jahrhunderte in die Weltgeschichte eingegriffen haben. Leider geht der Großteil des Films aber dann wieder im typisch bombastischen visuellen Overkill unter.

Im fünften Teil der außerirdischen Kampfroboter-Saga wird`s richtig skurril, denn die Transformers treffen auf König Artus und seine Tafelrunde. Optimus Prime sucht ein wichtiges Artefakt aus dem Besitz der Ritter, das seinen verwüsteten Heimatplaneten Cybertron wieder aufbauen könnte; dummerweise würde dadurch als Kettenreaktion aber die Erde zerstört. Daher schließt eine Gruppe unterschiedlicher Menschen eine Allianz, um diese Gefahr abzuwenden.

Megan Fox-Lookalike

Mark Wahlberg wurde gleich vom vorigen Teil übernommen und spielt erneut den erfindungsreichen Mechaniker Cade Yeager - und in der alten Welt wird er dann vorübergehend sogar zum letzten Ritter; die 16jährige Isabela Moner ist als kämpferisches Teenagermädchen zu sehen; und weil Michael Bay offenbar auf Frauen steht, die wie Megan Fox aussehen, hat er in Laura Haddock wieder ein würdiges Lookalike gefunden. Die Britin tritt zunächst superschlau und supersexy als blitzgescheite Professorin in Erscheinung, versteht aber im Bedarfsfall auch richtig zuzupacken und wird in den diversen Vernichtungsszenarien ordentlich herumgewirbelt. Obendrein liegt die Rettung der Welt buchstäblich in ihren Händen, da sie von einem berühmten Vorfahren abstammt.

Ein Sir als Gaststar

Als prominenter Gaststar wurde Sir Anthony Hopkins angeworben. Er verkörpert einen schrulligen Lord, der in seinem Schloss ein riesiges Museum beherbergt: dort ist genau dokumentiert, wie die Transformers im Lauf der Jahrhunderte in die Weltgeschichte eingegriffen haben. Diese historische Dimension bietet zur üblichen Bay`schen Krachmacherei wenigstens vorübergehend eine erfreuliche Abwechslung. Überhaupt wird diesmal auf Tradition und Kultur Wert gelegt, was man schon daran erkennt, dass sich der Schauplatz in der zweiten Filmhälfte komplett nach Europa - und zwar Großbritannien - verlagert.

Denkmalschutz und Roboterfreunde

Lustig wird es, wenn der Zerstörungsspezialist Bay plötzlich den Denkmalschützer hervorkehrt: die Entscheidungsschlacht findet nämlich zunächst im Steinkreis von Stonehenge statt und obwohl sich die Gegner unter Dauerfeuer nehmen und überall Granaten explodieren, bekommen die Monolithe der Kultstätte in keinem Moment auch nur den geringsten Kratzer ab. Bay übertreibt also nicht nur bei der Vernichtung, sondern auch in der Bewahrung.

Abgesehen von den altbekannten Transformers gibt es ein paar Neuzugängen an Robotern: das Waisenmädchen hat einen kleinen Freund, der offensichtlich ein Abklatsch von Wall-E sein soll. Der Lord beschäftigt hingegen einen mechanischen Butler, der an C-3PO aus "Star Wars" erinnert und dem man besser nicht zu nahe kommen sollte, weil ihm sehr leicht die Sicherungen durchbrennen (ein echter Psychobutler eben).

Visueller Overkill

Von allen bisherigen Transformer-Filmen verfügt dieser Teil somit über die ungewöhnlichste - um nicht zu sagen: verrückteste - Story. Außerdem hat Michael Bay im Vergleich zu Guy Ritchies unlängst gestarteten „King Arthur: Legend of the Sword“ eindeutig den originelleren Film zur Artus-Legende gedreht. Aber wie es bei Bay halt so üblich ist, findet er einfach kein Ende und die guten Ansätze werden durch den typisch bombastischen virtuellen Overkill wieder zunichte gemacht. Nach 2 1/2 Stunden Bay-Watch verlässt man erleichtert das Kino, weil einem zumindest in den kommenden zwei Jahren kein weiteres Transformers-Abenteuer bevorsteht.

6 von 10 aufdringlich lauten Blockbusterpunkten

franco schedl

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