VERSCHWORENE GEMEINSCHAFT

Man ahnt vermutlich bereits, worauf das alles hinauslaufen soll: die erste Regiearbeit des Drehbuchautors Paul Finelli bedient sich einer irritierenden Mischung aus Fakt und Fiktion, um anhand realer (Nachrichten)Bilder und dokumentierbarer Daten, die mit einer Spielhandlung verquickt werden, eine weltweite Verschwörung aufzudecken. Dabei bilden die Ereignisse von 9/11 bloß die Spitze des Eisberges und sind nur eine kleine Episode auf dem langen Weg einer Geheimgesellschaft zur Weltherrschaft.

Weil in Amerika keine Geldgeber bereit waren, Finellis – je nach Sichtweise brisanten oder abstrusen - Spekulationen zu unterstützen, wurde das Projekt schließlich von österreichischer Seite finanziert. Die erst kürzlich gegründeten Terra Mater Factual Studios haben unter der Leitung von ORF-Veteran und „Universum“-Erfinder Walter Köhler dafür gesorgt, dass dieser „Actionfilm für den Kopf“ allen Hobby-Verschwörungstheoretikern anregende 90 Minuten bieten wird. Der klangvolle Filmtitel ist übrigens ein Begriff aus dem Umfeld der Freimaurer und bedeutet so viel wie „Neu Eingeweihter“.

Dem Werk haftet unverkennbar ein Independent-Charakter an: eine Geschichte von globalen Ausmaßen wird sehr eng fokussiert erzählt. Ein stillgelegter Bahnhof aus der Nazizeit im Wiener Untergrund bildet den einzigen Schauplatz, und die Handlung beschränkt sich auf Gespräche zwischen drei Männern – von denen einer kein Geringerer als Peter Fonda ist. Dazwischen bekommen wir reichliche Archivaufnahmen geboten, die bereits ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind und hier einer neuen Deutung unterzogen bzw. zu einer in sich schlüssigen Theorie zusammengefasst werden. Wer noch nicht paranoid war, hat gute Chancen, es jetzt zu werden.

Allerdings befinden wir uns die meiste Zeit hindurch in einer eindeutig kritischeren Position als der unwahrscheinlich naive Agent, denn wer von uns hätte noch nicht von zahlreichen Ungereimtheiten im Umkreis des 11. Septembers gehört? Unser Agent muss sich erst vom freiwillig in die Falle gegangenen Terroristen darüber aufklären lassen, findet dann jedoch in Sekundenschnelle via Internet die Bestätigung der Fakten. In solchen Momenten schießt Finelli mit seiner Überzeugungs-Mission übers Ziel hinaus. Aber vielleicht ist er ja selber Mitglied der Freimaurer oder Bilderberger und wie sie alle heißen mögen, um uns durch eine falsche Theorie von der eigentlichen Wahrheit abzulenken; und womöglich bin ich als Filmkritiker auch in die Angelegenheit verwickelt…

Ich vergebe mit verschwörerischem Zwinkern 8 von 10 Allessehenden Augen.

Harodim - Nichts als die Wahrheit?

Harodim - Nichts als die Wahrheit?

A 2012
Thriller
08.11.2012
Paul Finelli
Tatsächliche Nachrichteninhalte, Archiv- und Dokumentaraufnahmen werden nahtlos in eine erschütternd plausible Erzählung verwoben.
5.30

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