VERSÖHNUNG STATT VERGELTUNG

Die wesentlich interessantere Geschichte – was es nämlich bedeutet, aus einem Gefangenenlager traumatisiert ins zivile Leben zurückzukehren – will Regisseur Jonathan Teplitzky erzählen; diesmal aus britischer Sicht. Ähnlich wie Jolie stützt auch er sich auf die Erinnerungen eines Betroffenen. Der britische Offizier und Kriegsgefangene Eric Lomax geriet in japanische Gefangenschaft und wurde gezwungen, für die als "Todeseisenbahn" berüchtigte Bahnlinie Thailand–Burma zu schuften. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter starben dort unter unfassbaren Bedingungen, die später als Kriegsverbrechen eingestuft wurden.

Als geschickter Ingenieur erhielt Lomax zwar einen Sonderstatus; doch nachdem man ihn beim Basteln eines Radioempfängers erwischt hatte, wurde er von den Japanern als potenzieller Verräter brutal gefoltert. In seinen Memoiren "The Railway Man" verewigte er seine Erinnerungen – inklusive der schweren psychischen Probleme, unter denen er nach Kriegsende zu leiden hatte.

Der biedere deutsche Filmtitel von "Railway Man" – "Die Liebe seines Lebens" – kündigt bereits die Schwierigkeiten an, mit dem dieses antiquierte, an der Grenze zur Langeweile erzählte Bewältigungsmelodram zu kämpfen hat. Da wäre zum einen die "Liebe seines Lebens" in Form von Nicole Kidman: Der auf sensible Rollen geeichte Colin Firth ("The King’s Speech") spielt Lomax in den 80er-Jahren und trifft auf einer Eisenbahnfahrt Krankenschwester Patti (die ätherische Kidman). Wie sich die beiden kennen lernen und ineinander verlieben, ist aufregend wie ein Glas Wasser.

Dafür geht es nach der Hochzeit richtig los. Lomax durchlebt Nacht für Nacht sein Kriegstrauma, unfähig, über sein Leid zu sprechen. Ab da übernimmt Kidman die eher undankbare Rolle der tränenumflorten Ehefrau, die ihrem Mann hilflos beim Leiden zusehen muss.

Waterboarding

In gedämpften Rückblenden wird die Vergangenheit ausgeleuchtet: Der junge Lomax (trotz eines anderen Schauspielers unschwer an der Brille zu erkennen) gerät in japanische Gefangenschaft und landet schließlich in den Händen seines Folterers. Teplitzky schreckt zwar nicht vor harschen Waterboarding-Szenen zurück, bleibt aber insgesamt im Rahmen des konventionell erzählten Kriegsfilms stecken. Außerdem verliert er durch sein Hin- und Her zwischen Gegenwart und Vergangenheit an Dringlichkeit und nimmt dadurch seinen Figuren an Tiefe.

Überraschend berührend aber, wenn sich Lomax und sein ehemaliger japanischer Feind wieder treffen: Was da zwischen den beiden Männern passiert, hätte man gerne einen ganzen Film lang gesehen.

KURIER-Wertung: ***

Die Liebe seines Lebens

Die Liebe seines Lebens

GB/CH/AUS 2013

The Railway Man

Drama, Biografie, Kriegsfilm / Antikriegsfilm
26.06.2015
Jonathan Teplitzky
Basierend auf der gleichnamigen Autobiografie von Eric Lomax zeichnet der Film das einfühlsame Porträt einer ganz großen Liebe.
7.10

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