Filmkritiken
10/27/2016

"Forushande": Ein Viennale Highlight

Asghar Farhadi fesselt mit „Forushande“ seine Zuseher in Hitchcock-Manier und zeigt, dass das iranische Kino nicht mit Abbas Kiarostami gestorben ist.

Das Set wird ausgeleuchtet, die Scheinwerfer werden justiert, und Farhadi richtet seine Lichtkegel direkt in die Abgründe der menschlichen Seele. Mit seinem neuen Film gewann der iranische Filmemacher berechtigterweise den Preis für das Beste Drehbuch auf den diesjährigen Filmfestpielen in Cannes. Farhadis Drama spielt wiedermal im bürgerlichen Milieu Irans und erzählt von einem jungen Ehepaar, das durch den drohenden Einsturz seines Wohnblocks kurzfristig in eine neue Wohnung ziehen muss.

Attacke im Bad

Emad (Shabab Hosseini) und Rana (Taraneh Alidossti) werden langsam mit ihrer neuen Nachbarschaft vertraut und lassen den Alltag einkehren, der durch einen ungebetenen Gast schnell ein Ende nimmt. Rana wird von einem Unbekannten im Bad attackiert und anschließend ins Krankenhaus eingeliefert. Die Jagd nach dem Täter beginnt.

In seinem an einen Polizeithriller erinnernden Film schafft es Farhadi nicht nur, Moralvorstellungen der Figuren zu hinterfragen, sondern bindet den Zuseher so stark ins Geschehen ein, dass er nahezu selber zum Ermittler wird. Der Film wird immer vielschichtiger und wirft Fragen auf, die den Zuseher lange nach dem Kinobesuch begleiten werden.

Farhadis Theatervergangenheit wird vor allem in den genialen Dialogen und der zurückhaltenden Kameraarbeit bemerkbar: es gibt in diesem großartigen Film keine visuellen Tricks, sondern bloß starke Darsteller, die uns jeden Schnitt vergessen lassen.

Özgür Anil

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Die durch Arthur Millers Theaterstück "Tod eines Handlungreisenden" inspirierte Geschichte handelt von einem jungen Paar in Teheran, dessen Leben sich dramatisch ändert, als es in eine Wohnung im Stadt-Zentrum zieht.