VIS 13: Animation Avantgarde 1

 
Kurzfilm 71 min.
film.at poster

Unkonventioneller Umgang mit bestehendem Material oder Objekten, die eine starke visuelle Anziehungskraft haben, macht sich in diesem Programm bemerkbar. Zeichenanimationen, die das absurde Theater und "Erinnerung" thematisieren, treffen auf Filme, die massiv-monströse Umgebungen zu ihren Protagonisten machen. Mit unheimlicher Präzision widmet sich Lemieux der Methode der Pin-Screen-Animation, um damit das ganze Universum zu öffnen, und Ä.I. Äußeres Innen taucht in weitere futuristische Welten ein, bevor der Zuschauer in Shelter in einen Sog gravitationsarmer Räume, die ständig ihren Bezugspunkt wechseln, gezogen wird. Schwizgebels gemalte Animationen wiederrum transformieren sich ständig und wechseln die Perspektive. Auch in den Musikvideos wird bestehendes Material verwendet - Fratzengulasch verziert alte Fotos und zieht sie ins Groteske, während Goodbye neue Bewegungsabläufe in altem Filmmaterial entdeckt und sie zu einem Tanz des Abschieds montiert.

Die Stühle
The Chairs
Deutschland / 2011 / 6 min / Österreich Premiere
Basierend auf dem Stück "Die Stühle" von Eugene Ionesco, einem der bedeutendsten Stücke des absurden Theaters, zeichnet Benjamin Ramírez Pérez eine Reihe kurzer Animationen. Aus kleinen Momenten setzt sich eine bruchstückhafte Handlung zusammen, versiert setzt Perez verschiedene Texturen ein, verwendet Alltägliches und abstrahiert es. Die Schrift doppelt sich, zerfließt, irritiert und lässt immer wieder an der eigenen Seh- und Konzentrationsfähigkeit zweifeln, aber auch hin und wieder ein bisschen schmunzeln.
Regie/Animation/Schnitt/Sound Design: Benjamin Ramírez Pérez,
Musik: Localmc, Nikola Hein, Advisors: Prof. Raimund Krumme, Stéphanie Beaugrand

Reconnaissance
Österreich, USA / 2012 / 5 min / kein Dialog
Gebiet am Rand, bombastische Architektur: Man möchte verweilen in der Betonmasse, sie betrachten, doch das Objekt scheint sich ständig der Erforschung zu entziehen. Subtile Verschiebungen, Lichtveränderungen - bewegen sich die Wände oder ist es eine optische Täuschung? Lurf entführt den Zuschauer an den Morrison Reservoir Stausee in Kalifornien, der lange als Testanlage für Torpedos diente. Auch ohne etwas über den Ort zu wissen, spürt man eine Unbehaglichkeit. Geschehnisse, die der Ort nicht preisgeben will, als würde er nur in der Geborgenheit der Dunkelheit und Stille existieren dürfen.
Regie/Kamera/Schnitt/Produktion/Konzept/Realisation: Johann Lurf

Le grand ailleurs et le petit ici
Here and the Great Elsewhere
Kanada / 2011 / 14 min / kein Dialog
Michéle Lemieux nutzt für ihren Film - im Untertitel "vier Meditationen über Raum und Zeit" benannt - jenes Instrument, das Alexandre Alexeïeff 1972 am National Film Board in Montreal vorgestellt hat: das "Pin-Screen", bei dem Tausende von winzigen Nadeln durch ihre Schattenwirkung Bilder entstehen lassen können. Lemieux' Film ist eine beeindruckende Hommage an dieses Instrument, wenn sie aus einer schwarzen Fläche Bilder von unbeschreiblicher Kraft und Schönheit hervorzaubert, die sich zum Ende wieder ins Weiß auflösen, um den fantastischen Imaginationsapparat als Objekt zu zeigen.
Regie/Drehbuch/Animation: Michèle Lemieux, Produktion: National Film Board of Canada, Produktionsleiter: René Chénier, Produzent: Julie Roy, Schnitt:: Annie Jean, Sound Design: Olivier Calvert

Velocity
Großbritannien / 2012 / 6 min
Ein Film über Erinnerung, darüber, wie Erinnerung sich manifestiert und an was wir uns erinnern. Die Filmemacherin geht in der Erinnerung zurück an Orte der Jugend und beschreibt angenehm unemotionalisiert die Bilder, die sich eingeprägt haben: ein Zug, Gesichter, Haare, rennende Menschen. Die Zeichnung als Manifest, dass die Orte, Menschen und Dinge so existiert haben (müssen) - einen anderen Beweis außer der Zeichnung gibt es nicht. Immer wieder kehrt man zu einem Satz zurück: "Ich dachte immer, ich hätte ein perfektes Gedächtnis."
Regie/Animation: Karolina Glusiec, Original music: Krzysztof Matysiak ,Tadeusz Kulas, Sound design: Zuzanna Ziolkowska

Fratzengulasch (Die Vögel)
Deutschland / 2011 / 5 min / Wien Premiere
Alte Fotos, Bilder erzwungener Gemeinsamkeit aus Schule, Arbeit oder Turnverein. Die Köpfe, dicht aneinander gedrängt, ergeben perfekte Opfer für aufgemalte Schnurrbärte und Kopffedern. Katharina Duve und Timo Schierhorn entwerfen ein unendliches Schulfoto, dessen Protagonisten ihre Gesichtsmuskeln nicht so ganz im Griff zu haben scheinen. Das Zusammenspiel mit dem Song Fratzengulasch von "Die Vögel" ist perfekt, digitale Manipulation trifft hier auf kindliche Verzierungswut.
Regie: Timo Schierhorn, Katharina Duve

Mechubeset
Washed
Israel / 2012 / 13 min / Österreich Premiere
Das Leintuch schwebt über der gewaltigen Maschine, um im nächsten Moment von einer (Tanz-)Kompanie von arbeits-uniformierten Frauen und Männern an den Rändern gefasst, zusammengelegt und zum nächsten Waschgang getragen zu werden. In der faszinierenden Szenerie von riesigen Waschmaschinen-Monstern und der maschinellen Reinwaschung inszeniert Daphna Mero ein Tanzstück um Missbrauch und Hilflosigkeit. Schon in früheren Arbeiten beschäftigte sich die professionelle Tänzerin mit der Verbindung von Tanz und Kino. Sie erzeugt fragile, wunderschöne Bilder, in denen der Schrecken lauert.
Regie/Drehbuch/Choreographie: Daphna Mero, Produzenten: Yitchak Jaffe, Zeev Shalev, Miri Chen, Kamera: Yair Halper, Schnitt: Tomer Rubens, Original Musik: Binya Reches

Chemin Faisant
Along the way
Schweiz / 2012 / 4 min / kein Dialog / Österreich Premiere
"Ich kann nur denken, wenn ich gehe." Dieser Ausspruch von Jean-Jacques Rousseau lässt sich auf das bisherige Werk von Georges Schwizgebel ebenso anwenden wie eben auf sein jüngstes. In seinen einander überlagernden handgemalten Bildern sind wir permanent in Bewegung, in Veränderung begriffen, durchwandern verschiedenste Räume, von den Naturbildern zu den geometrischen Labyrinthen, den Symbolen und melancholischen Erinnerungen an Vergangenheit und Kindheit, um an der Anlegestelle eines Floßes zu enden, an dem sich bereits einige zur Überquerung des Flusses bereit machen.
Regie: Georges Schwizgebel, Produktion: Rita Productions, Haute École d'Art et de Design (HEAD), RTS Radio Télévision Suisse, Studio GDS

Shelter
USA / 2012 / 6 min / kein Dialog / Österreich Premiere
Stockdunkle Nacht, Regen. In einer rückwärts gerichteten Kamerafahrt ziehen wir uns in unsere Zuflucht zurück, ein Dachboden, ein paar Kisten, eine Lampe. Die vorerst naturalistisch wirkende Raumfahrt verwandelt sich relativ rasch in eine traumartig schwerelos schwebende Reise durch unmögliche und immer unmöglicher werdende Räume, in denen Gegenstände aus der "Wirklichkeit" den Bezug zum Ausgangspunkt aufrecht erhalten, zu dem die Reise schlussendlich zurückkehrt. Eine in reduzierter Farbgebung gehaltene 3D-Computeranimation, die nicht dem kommerziellen Hyperrealismus verpflichtet ist.

Ä.I. Äusseres Innen
Deutschland / 2011 / 8 min / Österreich Premiere
Das 'Beziehungsdrama' zwischen Elias und Helene erscheint ein wenig wie eine verspielte Zeitreise durch die alternativen ästhetischen Codes und Strategien der letzten 50 Jahre. Es beginnt mit händisch manipuliertem und natürlich herrlich schmutzigem, zerkratztem Filmmaterial und leitet über zur Videokunst, in der Elias nackt zwischen Monitoren liegt oder seine Helene nur am Bildschirm berühren kann. Nach leicht beschädigten Videosignalen und virtuellem Sex mit CGI-Körpern stolpern wir in eine Computerspiel-Sequenz. Im Tohuwabohu der Medien können die beiden nicht zueinander finden.
Regie/Schnitt: Tobias Bieseke, Kamera: Daniel Hacker, Cast: Christoph Gummert, Anna Döing

Goodbye (Cherry Sunkist)
Österreich / 2013 / 3 min
Karin Fisslthaler beweist wieder ihr Gespür für Gesten - wie schon in früheren Arbeiten ist der Körpersprache in diesem Video besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Eine sich lösende Hand, zwei auseinanderstrebende Körper, die aber den Raum nicht verlassen können - sie scheinen in einer Möbiusschleife gefangen zu sein. Wunderbar abgestimmtes und arrangiertes Found Footage erzeugt ein Ballett der Gesten, das neue Formen und Bewegungen auf die Leinwand zeichnet. Der Raum zwischen den Bildern wird zum Mitspieler. Fisslthaler verbindet ihre Musik auf allen Ebenen virtuos mit dem Visuellen.
Regie: Karin Fisslthaler, Musik: Cherry Sunkist

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