VIS 13: Österreich Wettbewerb 2: Urlaub von der Krise

 
Kurzfilm 85 min.
film.at poster

Alte Fotos einer Sommerfrische in den 40er Jahren, ein Mann mit Aktenkoffer im verlassenen Gänsehäufel, ein Familienurlaub im Irak, schließlich ein kleiner Geburtstagsfilm über die Zeit und das Leben, das man auch im Karrierecenter der Post oder als lebendes Möbelstück im Caritas-Lager verbringen kann. Zwischen Bedrohung und Langeweile, zwischen Entbehrungen und Überwindungen ist das zweite Programm des Österreich Wettbewerbs angesiedelt, das mit sechs Kurzfilmen in 85 Minuten Urlaub von der Krise macht - auch wenn dieser scheinbar nicht zu entkommen ist.

Uns geht es gut
We are fine
Österreich, Deutschland / 2013 / 7 min / kein Dialog / Weltpremiere
Verblasste Farbfotos aus den 40er-Jahren: Ein junges Paar bei der Sommerfrische am Berg, vor einem posierend Auto, an einem See. Auf den alten Aufnahmen verlagert sich die Schärfe zwischen den einzelnen Bildebenen, Unruhe kehrt ein. Auch die Tonspur kündigt Unheil an, Kirchenglocken weichen Marschschritten, martialische Kriegsreden überlagern die Schlagerklänge im Radio. Durch seine raffinierte Machart auf Bild- und Tonebene erschaffen Schoening, Taschek und Wollner ein Szenario der Bedrohung und rufen Bilder hervor, die tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind.
Regie: Britta Schoening, Michaela Taschek, Sandra Wollner, Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg, Musik: Patrick Puszko, Sound: Michael Böger, Motion Design: Paul Brenner

GHL
Österreich / 2012 / 16 min / Deutsch mit engl. UT / Wien Premiere
Das bekannte Wiener Donaubad "Gänsehäufel" im Herbst: Menschenleere Wiesen, Boote liegen am Ufer, überhäuft von Laub, Stillstand. Ein Mann mit Anzug und Koffer streift durch das verlassene Areal. Er wirkt deplatziert in dieser Umgebung, bleibt ein Nebendarsteller der eigenwilligen, elegant-funktionalen Architektur. Am Telefon bedauert er, bereut, versucht sich zu rechtfertigen. Ein verlassenes Freibad als Metapher für ein außer Kontrolle geratenes System? Der Text nimmt Motive von Rousseau über Marx und Engels auf, doch das Gespenst der Freiheit spukt nicht lange.
Regie/Drehbuch/Schnitt: Lotte Schreiber, Kamera: Johannes Hammel, Musik: Stefan Németh, Ton und Tonmischung: Andreas Pils, Darsteller: Michael Krassnitzer

Familienurlaub
Family Holidays
Österreich / 2012 / 22 min / Deutsch mit engl. UT
Die erste Einstellung, ein Klassiker: Der Blick durch das Autofenster auf eine Tankstelle in der Einöde. In 17 Szenen fängt Kurdwin Ayub ihren Urlaub bei Verwandten im Irak ein. Der Vater, der vor der Kamera singt oder begeistert vom Fortschritt im Land berichtet, die Schwestern, die sich die Zeit am Hometrainer vertreiben, die Großaufnahme einer Kakerlake. Mit beeindruckendem Gespür für Dramaturgie geben die Homevideo-Episoden einen Einblick in die Familie der Filmemacherin und erzählen gleichzeitig von ihrem Kampf gegen die übliche Urlaubslangeweile.
Regie/Konzept: Kurdwin Ayub

Alles - Ein kleiner Film zum 30. Geburtstag
Österreich, Deutschland / 2013 / 4 min / Weltpremiere
Wir sehen die Protagonistin in grobkörnigem 16mm allein in ihrer Wohnung, sie bläst die Kerzen auf ihrer Geburtstagstorte aus, zündet sich einen Sternspritzer an. Sie macht sich Gedanken über die Dinge, die einen mit 30 so beschäftigen: Arbeit, Studium, Kinder, Leben. Lena Lemerhofers atmosphärisches und sehr persönliches Porträt zeigt den Geburtstag als Nichtereignis. Eine tagebuchartige Miniatur als Absage an die Deadlines des Lebens, ein kleiner Film über die Zeit.
Regie: Lena Lemerhofer, Produktion: Isabell Wackers, Kamera: Marcus Lauterbach, Schnitt: Evelyn Rack, Ton: Erik Petzold

Wir sind die Mutanten
We are the mutants
Österreich / 2013 / 14 min / ? / Wien-Premiere
Die Automatisierung hat auch vor der Österreichischen Post nicht Halt gemacht. Das Management will die Postbeamten loswerden, diese wollen aber unter allen Umständen bleiben. Als Resultat hängen sie in sogenannten "Karriere- und Entwicklungscentern" fest, ein Euphemismus für Büros, in denen man lediglich physisch präsent sein muss: eintragen, nichts tun, austragen. Konrad Wakolbingers Expedition in die Postpurgatorien nähert sich mit Verfremdungseffekten und aus der Distanz einem brisanten Thema. Brecht hätte seine Freude gehabt.
Regie/Drehbuch/Produktion/Schnitt: Konrad Wakolbinger, Kamera: Wolfgang Hähling, Thomas Marschall

Set in Motion
Österreich / 2012 / 20 min / kein Dialog
Eine Verkaufshalle, angefüllt mit Gebrauchtmöbeln. Die Lichter gehen an, die Kamera fährt die leeren Gänge entlang, vorbei an Tischen, Schränken, Stühlen. Zwischen den Möbeln blitzen drei Menschen auf, zu einem Stuhl aufeinandergestapelt. Weitere Performerinnen tauchen auf, treten in Interaktion mit den Möbeln, die sie umgeben. Die Aktionen werden zunehmend komplexer, die Menschen verschmelzen immer mehr mit dem Mobiliar. Michael Palm setzte Willi Dorners Choreographie "above, under, in between" durch geschickten Schnitt und Kameraführung filmisch in Szene.
Regie/Schnitt/Sound Design: Michael Palm, Produktion: Cie. Willi Dorner Produktion/Künstlerische Leitung/Choreographie: Willi Dorner, Kamera: Johannes Hammel, Eugen Pell, Set Design: Katharina Heistinger

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