VIS 2018: Internationaler Wettbewerb - Zwischen realen und imaginierten Welten | Animation Avantgarde

Min.72

Die Filme in diesem Programm bewegen sich im Spannungsfeld zwischen einer Auseinandersetzung mit der realen Welt und der Erschaffung virtueller Welten. So beschäftigt sich etwa Digital Trauma mit der Präsenz von Bildern und Videos aus dem Bosnienkrieg im digitalen Gedächtnis des Internets. Der handgemalte Film Strange Case vermischt private und mediale Bilder zu einem Bewusstseinsstrom. Und auch der mit einer Game-Software am Computer generierte Ugly bezieht sich trotz seiner absurd-witzigen Story auf eine reale Welt, auch wenn diese vollkommen aus den Fugen gerät. (tr)

Travelogue Tel Aviv
CH | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 06 min | Österreich-Premiere | Regie Samuel Patthey
Travelogue Tel Aviv gibt einen kleinen Ein­blick in eine Stadt der Gegensätze und Widersprüche, in der verschiedenste Lebens­entwürfe direkt nebeneinander existieren. Ein Beobachter von außen lässt sich darauf ein und hält seine Eindrücke in Zeichnungen fest. In einfachen Bildern vermitteln sich komplexe und lebensbestimmende Umstände – wo ein Schuss und das Knallen eines Sektkorkens näher beieinander liegen, als man das für möglich halten würde. (wp)

DIGITAL TRAUMA (And the Crystal Image)
NL | 2017 | 08 min 21 sec | Österreich-Premiere | Regie María Molina
María Molina macht sich in Digital Trauma auf die Suche nach Bildern und Videos, die im Internet bei Suchbegriffen zum Bosnien­krieg auftauchen. Sie fragmentiert und verdichtet die Bilder von Frauen, Kindern, Gefangenen, Politikern, etc. und ergänzt sie durch erschreckende Videostatements. Eine zentrale Frage ist dabei jene, ob dieses digitale Gedächtnis hilft, Konflikte zu überwinden, ob es neue Spannungen nährt und wie es unsere Identität verändert. (tr)

Moon
AT | 2017 | 11 min 04 sec | Regie Admir Selimovic
Goli Otok ist eine kleine Insel in der kroatischen Adria, auf der 1949 ein oftmals als „Titos KZ“ bezeichnetes Gefangenenlager errichtet wurde. Heute bewerben Tourismusverbände den Ort als Geheimtipp für Urlaubsvergnügen mit Gänsehaut-Feeling. Die experimentelle Arbeit Moon von Admir Selimovic fächert eine Vielzahl an visuell beeindruckenden Assoziationen auf, die auch über diesen konkreten Ort hinausgehen, über den vieles bis heute im Dunklen liegt. (tr)

La Chute / The Fall
FR | 2018 | Kein Dialog/Liedtext | 14 min 09 sec | Regie Boris Labbé
Möglicherweise waren Werke von Hieronymus Bosch wie sein Weltgerichts- bzw. Weltuntergangs-Triptychon (1485-1505) eine Inspirationsquelle für La Chute (Der Sündenfall). Boris Labbé und sein Animationsteam entfalten zur stimmigen Musik von Daniele Ghisi mit einer überbordenden Vielfalt von Figuren und ineinander verschachtelten Bewegungsabläufen eine Entwicklung vom friedvollen Paradies tanzender Figuren zur Hölle der Vernichtung der Menschheit. (tr)

O Jezu / Oh God
PL | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 03 min 48 sec | Österreich-Premiere | Regie Betina Bożek
„Jessas na!“ ist für den Film von Betina Bozek, der eine Stimmung zwischen Verzwei­flung und Witzigkeit verbreitet, eine stimmigere Übersetzung als das wortwörtliche „Oh Jesus!“. Auch die experimentelle Musik klingt stellenweise ironisch überhöht, zu den fließenden Kratzgeschräuschen der Instrumente versinken die zumeist isoliert agierenden Figuren wortwörtlich im Boden. Angedeutete Annäherungsversuche scheitern, auch nach übermäßigem Alkoholkonsum an der Bar. (tr)

Elastic Recurrence
NL | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 02 min 02 sec | Österreich-Premiere | Regie Johan Rijpma
Johan Rijpma kreiert eine Skulptur, die nur durch Manipulation von Zeit und Raum existieren kann. Sein Interesse gilt dabei besonders der Struktur, der Bewegung und dem Zufall. Ein Teller zerbricht, und die Scherben driften auseinander. Sie werden durch elastische Bänder zusammengehalten, die versuchen, die Teile wieder zu einem Ganzen zu fügen. Ein Spiel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, zwischen Gravitation und deren Aufhebung entsteht. (wp)

Strange Case
PL | 2017 | 13 min 30 sec | Österreich-Premiere | Regie Zbigniew Czapla
Den unverwechselbaren Stil eines Czapla-Films kann man auch in Strange Case bewundern. Unglaublich schöne Bilder: gemalt, Bild für Bild mit Tinte, Acryl und Wasserfarben auf Papier. Doch auch: Unruhe. Die Bilderfolge ist schnell und düster. Die Bilder, die an uns vorbeihuschen, bleiben ungreifbar. Wie Erinnerungen. Der Erzähler und Protagonist scheint in diesen Erinnerungen und Bildern aus der Vergangenheit nach Sinn oder einer Identität zu suchen. (wp)

Persistence of Vision III
NO | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 01 min 45 sec | Österreich-Premiere | Regie Ismael Sanz-Pena
Ein einziges Foto von der Westfassade des berühmten Nidarosdoms in Trondheim dient Ismael Sanz-Pena als Material für seinen beeindruckenden Animationsfilm. Die streng geometrisch rhythmisierte Fassade mit ihren wiederkehrenden Bögen und Ornamenten und ihren zahlreichen gleich großen Skulpturen versetzt er innerhalb einer langen Kamerafahrt in Bewegung. In einer Art freundschaftlichem Culture Clash tanzen die Figuren zu afrikanischen Rhythmen. (tr)

Ugly
DE | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 11 min 54 sec | Regie Nikita Diakur
Mit humorvoller Leichtigkeit zelebriert Nikita Diakur, aktuell zurecht als „new talent“ der internationalen Animationsszene gefeiert, die Schönheit des Hässlichen. Er nutzt eine Ästhetik des Fehlerhaften und der Destruktion und knüpft damit an eine Strategie des Avantgardefilmes an, die sich dem hochpolierten Mainstream entgegensetzte. Sein zeitgemäßes Werkzeug ist ein Game-Interface, das er mehrmals genussvoll gegen die Wand fahren lässt. (tr)

Für diesen Film gibt es leider keine Vorstellungen.