Filmkritiken
09.10.2013

VOM BESORGTEN FAMILIENVATER ZUM FOLTERKNECHT

Schlimmer kann es für Eltern kaum kommen: Zwei kleine Mädchen werden entführt, während der Rest der Familie arglos Thanksgiving feiert. Wo gerade noch Normalität herrschte, zieht unfassbarer Schmerz ein. Ein Grauschleier legt sich über die trostlose Novemberlandschaft.

Hugh Jackman als gramgebeutelter Familienvater fühlt sich für das Verschwinden verantwortlich. Er misstraut den Fähigkeiten des investigierenden Polizisten (der hervorragende Jake Gyllenhaal ) und macht sich selbst auf die Suche nach den Kindern. Dass er dabei das Gesetz übertreten muss, hält ihn nicht von seinem privaten, überaus gewalttätigen Rachefeldzug ab.

Der franko-kanadische Regisseur Denis Villeneuve erzählt seinen melancholischen Thriller als präzise Milieustudie einer christlich-konservativen Kleinstadt. Regen, Schnee und Kälte definieren stimmungsschwer die blau-kalten Bilder, die der hervorragende Kameramann Roger Deakins dazu liefert. Konstant changierende Perspektivenwechsel machen „Prisoners“ zu einem anspruchsvollen Glanzstück des Erzählkinos, wie man es in Hollywood immer seltener findet.

Gerade Hugh Jackman verwandelt dabei mit großem Können die Figur seines Schmerzensmannes zunehmend in die eines Folterknechts. Der Umgang mit der Gewalt und wie er die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen lässt, bleibt ein brennendes Thema der Gegenwart (nicht nur) in den USA.