Filmkritiken
19.01.2017

"xXx - Die Rückkehr des Xander Cage": Wenigstens die Hauptfigur liebt "diesen Scheiß" einfach

Vin Diesel hat für seine Wiederauferstehung in der Rolle des Extremsport-Junkies, der als eine Art Prolo-Version von Bond auftritt, gleich selber die Produktion übernommen.

Erinnerungsprobleme

Xander wer? Und von woher soll er zurückgekehrt sein? Das Problem bei den „xXx“-Filmen besteht darin, dass sie schon viel zu alt sind. Wer von uns kann sich ernsthaft noch daran erinnern, was damals passiert ist? Man muss erst nachgoogeln, um herauszufinden, dass Vin Diesel als ein über und über tätowierter Extremsport-Junkie 2002 von Samuel L. Jackson für eine streng geheimen Agenteneinheit angeworben wurde. Und dass es einen Nachfolgefilm gegeben hat, in dem Ice Cube an Stelle Vin Diesels aufgetreten ist, haben wir überhaupt gründlich verdrängt. Immerhin war dieses Sequel von 2005 ein Riesenflop – und daran lag es wohl auch, dass wir so lange auf den dritten „xXx“-Teil warten mussten.

Extremsportspompanadeln

Vin Diesel hat jetzt für seine Wiederauferstehung gleich selber die Produktion übernommen und die Chinesen haben ebenfalls mitgemischt, weshalb es viel fernöstliche Kampfkunst zu bewundern gibt. Somit ist also der totgesagte Typ wieder da, obwohl wir ihn doch gar nicht vermisst hatten. Er zieht erneut seine Nummer als Prolo-Bond ab und zeigt, was er alles an sportlichen Kunststücken drauf hat: er rauscht auf Skiern über Steine und Baumstämme einen Steilhang im brasilianischen Dschungel hinab, verwendet ein Motorrad als Motorboot oder springt auch mal ohne Fallschirm aus dem Frachtraum einer Riesenflugzeugs – und stellt dabei fest: „Also ich liebe einfach diesen Scheiß“. Wenn er glaubt – man muss ja nicht unbedingt einer Meinung mit ihm sein, oder kann sich unter Weglassung der „Liebe“ nur für „Scheiß“ entscheiden.

Handlungsvorwand zum hirnlosen Abballern

Dabei scheint Vin Diesel etwas durcheinander zu bringen und in der Welt von „Fast & Furious“ gelandet zu sein, denn er schart auch hier eine Gruppe von exzentrischen Freaks um sich. Sie müssen im Weltrettungsgeschäft mitmischen, weil ein kleines Gerät, mit dem man punktgenau Satelliten zum Absturz bringen kann, nicht in die falschen Hände geraten soll. Soviel zur bescheidenen Handlung, die ja ohnehin nur als Vorwand für Action der gröberen Sorte dient. Während in einer zeitgemäßen Bond-Variante wie „Kingsman“ zwar auch viel gestorben fließt, herrscht dort immerhin ein gewisser Stil und ein Hang zur schrägen Übertreibung vor, während hier nur das hirnlose Abballern auf der Tagesordnung steht, nebst einem Möchtegern-Humor, den auch Sylvester Stallone in seinem „Expendables“-Franchise so gut beherrscht.

Trauer um Toni Collette

Dieser Film kann aber durchaus auch zu Herzen gehen und starke Gefühle hervorrufen. Es tut nämlich fast körperlich weh, miterleben zu müssen, wie die Komödiantin Toni Collette den wohl traurigsten Tiefpunkt ihrer Karriere erlebt und die danebengegangene Parodie auf eine taffe Frau bietet: viel Lidschatten, träge Augenaufschläge und ein skrupelloser Zug um die Mundpartie, ergeben noch keine glaubwürdige Schauspielleistung.

4 von 5 überflüssigen Rückkehrerpunkten

franco schedl

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