Filmkritiken
02.10.2013

ZURÜCK INS KINDERZIMMER DER EIGENEN JUGEND

Wie oft wünscht man sich doch, man könnte die Zeit zurückdrehen; man könnte Menschen, die bereits gestorben sind, wieder treffen und ihnen Dinge sagen, die man verabsäumt hat; man könnte alte Fehler wiedergutmachen.

Noémie Lvovsky hat sich diesem durchwegs philosophisch-tragischem Thema mit großem Witz und sensibler Klugheit angenähert. Als frustrierte Mittvierzigerin Camille, die als glücklose Schauspielerin gerade vor dem Ende ihrer Beziehung steht, wacht sie plötzlich in den 80er-Jahren wieder auf. Sie befindet sich im eigenen Kinderzimmer, an der Wand hängt ein Plakat von „Flashdance“, und ihre Mutter ist auch noch am Leben. Nun besteht die Komik unter anderem darin, dass Lvovsky wahrlich nicht wie ein Teenager aussieht, alle anderen aber so tun, als wäre sie einer. Frohgemut hängt sie mit ihren alten Freundinnen ab und lernt prompt jenen Mann (wieder) kennen, der ihr – zwanzig Jahre später – das Herz gebrochen hat.

Gekonnt hält Lvovsky die Balance zwischen spritziger Komik und der melancholischen Einsicht, dass man die Zeit nicht aufhalten kann – und letztlich auch nicht will. Film-Legende Jean-Pierre Léaud hat einen Auftritt als Uhrmacher: Er ist alt, an ihm sieht man den unwiederbringlichen Fluss des Lebens. Auch er kann die Zeit nicht zurückdrehen – und wenn doch, dann nur im Kino.