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Filmkritiken
04/06/2018

„Zwei Herren im Anzug“: Der ewige Streit ums verfluchte Erbe

Josef Bierbichlers selbstgeschriebene Romanverfilmung wirft einen ungeschönten Blick auf hundert Jahre bayrische Geschichte.

Mit  „Zwei Herren im Anzug“ hat sich Josef Bierbichler vorgenommen, hundert Jahre bayrische Geschichte anhand von drei Generationen einer Wirtshausfamilie zu erzählen. 1984 setzen sich der Wirt Pankraz (Josef Bierbichler) und sein Sohn Semi (Simon Donatz) nach der Beerdigung der verstorbenen Mutter und Ehefrau an einen Tisch und reden nach Jahrzehnten des Schweigens über die Familiengeschichte. In Rückblenden wird ein Land im Wandel gezeigt. Junge Burschen, die voller Stolz in den 1. Weltkrieg ziehen und Jahre später als gebrochene Männer zurückkehren; die Unruhen des 2. Weltkriegs und in der Mitte das von Generation zu Generation weitervererbte Wirtshaus.

Romanverfilmung

„Zwei Herren im Anzug“ basiert auf dem von Bierbichler verfassten Roman „Mittelreich“. Der bayrische Schauspieler stammt selbst aus einer Wirtshausfamilie und lässt bestimmt viele autobiografische Elemente in die Erzählung miteinfließen. In jeder Szene spürt man Bierbichlers fundiertes Wissen über die erzählte Zeit und das jeweilige Millieu. Er verweigert jegliche klischeehafte Abbildung von Trauer und schafft es durch pointierten Humor der Geschichte eine Leichtigkeit zu verleihen, ohne ihr dabei die Ernsthaftigkeit zu nehmen.

Vater und Sohn

Bierbichler ist durch seine Statur und seine besondere Sprachfärbung einer der gefragtesten Charakterdarsteller im deutschsprachigen Raum. In seinem neusten Projekt ist er gleich in mehreren Rollen zu sehen und führte auch gleich selbst Regie. Jede Generation wird vom Duo Bierbichler und Donatz (auch Bierbichlers Sohn im realen Leben) verkörpert. Donatz trat nicht in die Fußstapfen seines Vaters, sondern entschied sich für eine Karriere als Gastwirt und besitzt in München ein eigenes Wirtshaus. Dafür, dass „Zwei Herren im Anzug“ seine erste Hauptrolle ist, meistert er seine Aufgabe mit Bravour. Er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten und verleiht der epischen Erzählung dadurch eine zeitlose Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht.

 

Einziges Manko ist jedoch die Länge des Dramas. Durch das langsame Erzähltempo wirken die 140 Minuten Laufzeit noch länger als sie schon sind. Wer sich auf das Erlebnis mit „Zwei Herren im Anzug“ einlässt, sollte Sitzfleisch und Geduld besitzen.

7 von 10 Hitlerinnen

Nach Motiven seines Romans "Mittlelerde" lässt Josef Bierbichler in seiner zweiten Regiearbeit einen Vater und einen Sohn die Vergangenheit Revue passieren.