Filmkritiken
02.07.2014

ZWISCHEN SITTENKOMÖDIE UND SITCOM

Die dritte Verfilmung eines Bühnenstücks von Alan Ayckbourn wurde auch sein Testament: Die leichtfüßig-skurril inszenierte, bewusst künstlich gehaltene Theateradaption von „Life of Riley“ war die letzte Arbeit des französischen Altmeisters Alain ResnaisHiroshima, mon Amour“). Kurz nach der Premiere auf dem diesjährigen Berliner Filmfestival verstarb der Regisseur 91-jährig.

Zum letzten Mal griff Resnais auf sein bewährt famoses, spielfreudiges Stamm-Ensemble zurück – darunter seine langjährige Ehefrau und Kollaborateurin Sabine Azéma. In einer Mischung aus Sitcom und Sittenkomödie, angesiedelt in bewusst unecht aussehenden Pappmaschee-Kulissen, verhandeln drei Mittelstands-Paare ihre bürgerlichen Mores. Und ihre Ehe- und Familienprobleme.

Zwar bekleiden sie alle kunstferne Berufe, üben aber gleichzeitig die Texte zu einem Theaterstück ein, in dem sie als Laien auftreten. Während der Proben ereilt sie die Nachricht, dass ihr guter Freund Riley – eine Person, die im Film niemals zu sehen ist – nicht mehr lange zu leben hat. Sein bevorstehender Tod löst eine ungeahnte Kette an Reaktionen aus: Besonders die jeweiligen Ehefrauen entwickeln plötzlich für den sterbenden Mann ein übergroßes Mitgefühl, das eindeutig in erotisches Begehren umschlägt. Am Ende gibt es keine Frau, die nicht mit Riley eine Affäre sucht. Dabei schwebt der Gedanke an das Ende des Lebens spürbar über „Life of Riley“.

Komisch-absurde, aber auch schmerzhaft-dramatische Situationen, in denen sich Theatertexte mit Sätzen aus dem „wirklichen“ Leben der Figuren mischen, führen zu bittersüßen Doppelbödigkeiten.