8x8x4 - Some exercise in complex seeing is needed

 
81 min.
film.at poster

Künstlerinnen porträtieren Künstlerinnen in einem Filmprogramm, das – nachdrücklich und mit humorvollen Untertönen – unter die Haut geht. Es gleicht einem Tanz im Boxring, den Balanceakt schaffen zu wollen zwischen den Rollen als Partnerin, Mutter und Kunstschaffender, die einem permanenten Zustand des Sich-Durchschlagens im Kulturbetrieb ausgesetzt ist. Wer hier gegen den Strom schwimmt, vergeudet Energie. Aber wer mit dem Strom schwimmt, hat auch schon verloren.

Filme:

NOEMA
Christiana Perschon • Österreich 2014 • 29 min • OmdU

»In der Nacht, wenn ich manchmal ein paar Stunden wach bin, dann sehe ich soviel. Ich mach‘ oft die Augen zu auch am Tag, um zu sehen was ich innwendig sehe.« (Tatjana Gamerith)

Die 93-jährige Malerin Tatjana Gamerith verliert langsam ihr Augenlicht. Ihre Linienführung verläuft nun intuitiv und mehr aus der routinierten Hand als über das Sehen, da sie ihren Blick nicht mehr auf einen Punkt konzentrieren kann. Blicke werden zu Berührungspunkten, wenn die Kamera Gesten der Malerin einfängt. NOEMA spielt mit Wirklichkeitsvorstellungen und markiert Sinneseindrücke. Grenzen des Abbildbaren und des Imaginären werden dabei unscharf gezeichnet und verschwimmen.

Christiana Perschon wurde für ihr einfühlsames und visuell bestechendes Dokuporträt 2014 auf dem Kurzfilmfestival Vienna Independent Shorts mit gleich drei Auszeichnungen geehrt: dem Wiener Kurzfilmpreis für den besten österreichischen Film, dem Preis der Jugendjury und dem Publikumspreis.

SOME EXERCISE IN COMPLEX SEEING IS NEEDED
Carola Dertnig • Österreich 2012 • 3 min • OmdU

Ein Bild voller Bewegung, jedoch vermeintlich unbewegt: Carola Dertnig beim unentwegten Anschwimmen gegen einen Wasserstrom. Über ihre Bewegung am Stand vermittelt sich Dauerhaftigkeit, vergleichbar mit der täglichen Arbeit an sich selbst. Aus dem Off rezitiert die Künstlerin dazu ein Poem: alphabetisch sortierte, performancegeschichtliche Begriffe, Floskeln, Zitate. »… Dance, Dada, Document …« – ihr persönliches Referenzsystem zum Leben als steter Probe. (Diagonale)

SEXY
Kurdwin Ayub • Österreich 2013 • 4 min • OmdU

Der skandalumwitterte Popstar Miley Cyrus als vermeintliches Role-Model für selbstbewusst zur Schau getragene Sexyness: Zu deren Video »We Can’t Stop« performt eine junge Frau im weniger glamourösen Jugendzimmer – (textlich) unsicher, Kaugummi kauend. Die Affirmation der inszenierten Souveränität scheitert, muss scheitern. Einmal mehr agiert Kurdwin Ayub gnadenlos – gegenüber sich selbst wie auch der filmischen Form. (Diagonale)

3 MINIATUREN AUS DEM LEBEN MIT 47
Edith Stauber • Österreich 2015 • 2:15 min • OmdU

Drei Begebenheiten aus dem Alltag: Ein Ausflug, eine Migräneattacke und ein Nachmittag auf dem Sofa. In wenigen, beinahe statischen Bildern entsteht mit leisem Humor und Ironie ein Stimmungsbild aus der Mitte des Lebens – zwischen Überdruss und Behaglichkeit, zwischen Kommunikation und Kontemplation.

KUNSTBOXEN
Ina Loitzl • Österreich 2015 • 5:40 min • OmdU

Mit der ihr eigenen Mischung aus Humor und manchmal brutaler Realitätsnähe schickt Ina Loitzl die Kunstfigur Artist A in den Ring. Runde um Runde kämpft sie sich weiter: gegen ihre eigene Motivation, ihre Rolle als weibliche Künstlerin, mit und gegen die Konkurrenz der KollegInnenschaft, als kleiner Teil im unüberschaubaren Kunstmarkt. Mit im Ring die prominenten GegnerInnen des globalen Kunstbusiness.

MUTTER(GLÜCK)
Claudia Dermutz • Deutschland/Österreich 2017 • 7 min • OmdU

Ausgelöst durch ein einschneidendes Ereignis in ihrem Leben (das auch die Klammer des Films ist), stellt Claudia Dermutz Gedanken zu Sorgen, Ängsten, Anforderungen, Wünschen und Vorstellungen vom Leben als Künstlerin/Frau/Mutter in den Raum und zieht – wie auch schon in ihren früheren Arbeiten – immer wieder Parallelen zur Darstellung des Frauen- bzw. Mutterbildes in Literatur und Bildender Kunst.

SELF
Claudia Larcher • Österreich 2015 • 8 min • OmdU

Die Haut selbst. Poren, Flecken, Härchen, Pickel. Durchschimmernde Adern, Falten, Kurven. Aber was für Kurven? Claudia Larcher, von Natur aus keine Freundin der eindeutigen Bilder, dafür aber der zirkelschlüssigen Struktur, inszeniert das größte Sinnesorgan des Körpers als Mutationsflächenmonster. Vom mal rauschenden, mal glucksenden, mal zerbröselnden, mitunter schmatzenden und luftschnappenden und lautfetzenden Sound Constantin Popps erregt, driftet die Erkundungsreise in wer weiß welche Fantasielandschaften ab, um schließlich zum Anfang zurückzunüchtern. Welcher Horror da jeweils durch die Netzhäute und Trommelfelle des Publikums schlägt, ist eine Frage der Nerven. (Viennale)

CHEZ NICOLE
Viki Kühn • Österreich 2012 • 22 min • OmdU

Viki Kühn möchte mit ihren Filmen vor allem eines: berühren. Das gelang ihr mit FRIEDL (2011), und es gelingt ihr auch mit diesem schön gestalteten Porträt der als Lionel geborenen Französin Nicole, Vater von vier Töchtern. Sie hat viel erlebt und noch mehr durchgemacht, nach dem Wechsel ihres Geschlechts mit fast 70 Jahren wurde sie Tänzerin, Kunsthandwerkerin und Fotomodell. Kühn kommt ihrer Protagonistin respektvoll nahe (etwa bei der Kleider-Anprobe oder vor dem Schminkspiegel) und zeigt sie beim Tänzeln in der eigenen Wohnung, während Nicole auf der Tonspur offen aus ihrem Leben erzählt. (Viennale)

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