The Human Bullet

 J 1968

nikudan

Drama, Kriegsfilm / Antikriegsfilm 117 min.
7.50
film.at poster

Okamoto führt mit Ironie und Scharfsinn die Absurdität des Krieges vor Augen und verzichtet in seiner Darstellung der letzten Kriegstage sowohl auf eine Heroisierung als auch auf jegliche Sentimentalität.

Zwischen 1945 und 1968 stieg die durchschnittliche Lebenserwartung japanischer Männer um 21,6 Jahre. So alt ist auch «Er», der Held des Films, dessen Namen wir nie erfahren, weil er so viele haben könnte. Es ist Krieg, und es fehlt an allem an Hoffnung, an einer Perspektive und vor allem an Essen. Um den Hunger zu bekämpfen, beginnt er, das Essen wieder hochzuwürgen und wie eine Kuh wiederzukäuen. Er sei ein Rind und würde gerne wieder Mensch werden, erklärt er dem Kommandanten, der ihn beim Essensdiebstahl erwischt. Doch dieser degradiert ihn zum Schwein, und weil ein Schwein keine Kleider braucht, muss er fortan nackt exerzieren und sich auf den Endkampf vorbereiten. Dann fällt eine neuartige Bombe auf Hiroshima; er wird einer Kamikaze-Einheit zugeteilt und dadurch vom Schwein zum Gott erhoben. Zumindest kann er jetzt wieder einmal reichlich essen und bekommt einen Tag Sonderurlaub. Er kauft sich ein Buch, das dick genug ist, um als Kissen zu dienen, und langweilig genug, um es nicht gleich auszulesen. Dann geht er ins Hurenhaus, wo er sich in eine Schülerin verliebt, die das Bordell der Eltern, die bei einem Luftangriff umgekommen sind, übernommen hat. Auch sie wird bald Opfer eines Luftangriffs werden, doch zuvor verbringen sie eine Nacht zusammen. Er landet in einem an ein Torpedo gebundenes Fass und treibt mutterseelenallein im Pazifik, bis ihm der Kapitän eines Abfallentsorgungsschiffs mitteilt, dass der Krieg vorbei sei. Da der Bergungsversuch aber scheitert, treibt er 1968 immer noch in seinem Fass herum. Im August 1945 war Okamoto Kihachi 21 Jahre und sechs Monate alt und einer Kadettenschule der japanischen Armee zugeteilt. Der Krieg wurde zum zentralen Thema seines filmischen Schaffens. Den Durchbruch als Regisseur schaffte er 1959 mit Dokuritsu gurentai (Desperado Outpost), einer Satire auf die japanische Armee der Satire blieb er später auch in anderen Filmen über den Krieg treu , und seinen größten Erfolg erzielte er mit dem Kriegsepos Nihon no ichiban nagai hi (Japans Longest Day), einer dramatischen Darstellung der letzten Kriegstage. Der Film entstand 1967 zum 35. Jahrestag der Gründung von Tôhô, und weil es sich um ein Prestigeprojekt handelte, standen Okamoto ein verhältnismäßig großes Budget und ein Staraufgebot zur Verfügung, die einen Erfolg praktisch garantierten. Der Film erreichte das zweitbeste Einspielergebnis des Jahres und wurde Okamotos größter Kassenerfolg. Weil Okamoto in Nihon no ichiban nagai hi seine eigenen Kriegserfahrungen nicht widergespiegelt sah, schrieb er das Drehbuch zu Nikudan, das von Tôhô jedoch abgelehnt wurde. Um das Herzensprojekt dennoch verwirklichen zu können, ließ sich Okamoto von Tôhô beurlauben und realisierte den Film mit ATG. Er gründete das Produktionskomittee Nikudan, zugleich der Name eines Bankkontos, auf das Freunde und Förderer Geld einzahlten, als Garantie für einen Kredit, mit dem der Film finanziert wurde. Verwaltet wurde das Konto von seiner Frau Mineko, die später mehrere seiner Filme produzierte und beim Dreh zu Nikudan als Fahrerin, Köchin, Statistin, Beraterin und Mädchen für alles mitwirkte. Der Film war praktisch ein Familienunternehmen. Die Titelschrift stammte von Okamotos zweitältester Tochter, die damals noch in den Kindergarten ging, das Endzeichen von seiner ältesten Tochter. Die Mitarbeiter waren vorwiegend Kollegen aus Okamotos «Familie» bei Tôhô, die großteils auf ihre Gagen verzichteten und sich ebenfalls beurlauben ließen. Als Erzähler konnte er Nakadai Tatsuya gewinnen, der schon bei Nihon no ichiban nagai hi als Erzähler fungiert hatte. Nikudan wurde im Oktober 1968 uraufgeführt, als die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und gegen den Einmarsch der Sowjet-Truppen in die CSSR ihren Höhepunkt erreichten. Dass Nikudan nach Loin du Vietnam und dem tschechischen Holocaust-Drama Démanty noci (Diamonds of the Night, entstanden 1964) und vor Godards Le petit soldat ins Kino kam, zeigt nicht nur, dass Krieg 1968 ein zentrales Thema von ATG war, sondern auch, wie nahe ATG am Puls der Zeit war, auch mit Nikudan, denn der Zweite Weltkrieg gehörte, weil auch in Japan nicht aufgearbeitet, keineswegs der Vergangenheit an, sondern spukte wie das Skelett in seinem Fass am Ende des Films nach wie vor durch die Köpfe der Menschen. (Roland Domenig) okamoto kihachi Geboren am 17. 2. 1924 in der Präfektur Tottori. Beginnt 1943 nach einem Wirtschaftsstudium an der Meiji-Universität als Regieassistent bei Tôhô, wird aber zum Arbeitsdienst in einer Flugzeugfabrik eingezogen und auf eine Kadettenschule geschickt. Nach Kriegsende kehrt er zu Tôhô zurück und arbeitet als Regieassistent u.a. für Naruse Mikio und Makino Masahiro.

Details

Terada Minori (Er), Ôtani Naoko (Mädchen), Amamoto Hideyo (Vater), Mihashi Noriko (Mutter), Imafuku Masao (Schulleiter), Ryû Chishû (Buchhändler), Kitabayashi Tanie (seine Frau), Harukawa Masumi (Frau mit Schürze), Sonoda Hirohisa (Lehrer), Ozawa Shôichi (Sergeant), Sugai Kin (seine Frau), Mitobe Sue (Frau in Monpe-Hose), Kaminari Monkenbô (Junge am Strand), Zushi Yoshitaka (sein älterer Bruder), Tanaka Kunie (Bezirkskommandeur), Nakatani Ichirô (Militärpolizist), Takahashi Etsushi (Unteroffizier), Itô Yûnosuke (Kapitän), Miyamoto Mariko (Krankenschwester), Tsuda Ayako (Krankenschwester), Mutô Yôko (Krankenschwester), Hasegawa Hiroshi (Kompanieführer), Achiwa Shinsuke (Kadett), Nakadai Tatsuya (Erzähler)
Okamoto Kihachi
Satô Masaru
Murai Hiroshi
Okamoto Kihachi

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