AGENTENTREIBEN IN EINER GROOVIGEN ZEIT

Das Titelwort steht keineswegs für Onkel, sondern bildet die Abkürzung für „United Network Command for Law and Enforcement“– eine streng geheim operierende Agentenorganisation, die einiges mit dem „Mission Impossible“-Team gemeinsam hat: beide Einheiten standen in den 60er + 70er Jahren im Mittelpunkt langlebiger Fernsehserien, bevor sie Jahrzehnte später kinofilmtauglich wiedererweckt wurden. Noch dazu sollte Tom Cruise ursprünglich auch hier als Agent Napoleon Solo in der Hauptrolle mitwirken, ließ das Projekt dann aber zugunsten des fünften MI-Films „Rogue Nation“ sausen. Stattdessen hat „Superman“-Darsteller Henry Cavill den Part des smarten CIA-Mannes (und ehemaligen Gentleman-Verbrechers) übernommen, während Armie Hammer den fast unbesiegbaren KGBler Illya Kuryakis muskelstark verkörpert.

Das Zusammenspiel der beiden Kämpfernaturen erzielt durch unterschiedliche Temperamente und Herangehensweisen an Probleme immer wieder komische Effekte. Es ist höchst vergnüglich, dem heißblütigen Russen dabei zuzusehen, wie er mühsam um Beherrschung ringt, wenn ihm der Zorn im falschen Augenblick in die Fäuste fährt. Auch ansonsten ergeben sich dem Misstrauen geschuldete Verwicklungen zwischen Ost + West – jeder verwanzt hier jeden und die beiden unfreiwilligen Partner tauschen einmal eine Handvoll gegnerische Wanzen aus, die sie in ihren Hotelzimmern aufgespürt haben.

Der Film beantwortet eine Frage, die in der Serie umgangen wurde: wie kam es zur länderübergreifenden – und in Zeiten des Kalten Kriegs eher ungewöhnlichen - Zusammenarbeit zwischen dem Amerikaner und dem Russen? Wir erfahren somit die Vorgeschichte dieses Teamworks und erleben die Gründung von U.N.C.L.E. mit (wobei Hugh Grant den Gründervater spielt). Als wichtiges Team-Mitglied wird in Gestalt der Schwedin Alicia Vikander übrigens auch eine Frau rekrutiert.

Guy Ritchie taucht gerne in länger zurückliegende Jahrzehnte ein, um sie stilbewusst und energiegeladen mit neuem Leben zu erfüllen; sei es nun das viktorianische England, wie im letzten Sherlock Holmes-Abenteuer mit Downey Jr., seien es, wie hier, die frühen 60er Jahren, in denen die Welt durch die Kuba-Krise gerade noch an einem Atomkrieg vorbeigeschrammt war. Um Atomsprengköpfe in den falschen Händen geht es auch in diesem Film; und ein Schauplatz wie das geteilte Berlin darf ebenfalls nicht fehlen: zum Auftakt bekommen wir gleich eine abenteuerliche Flucht über die Berliner Mauer geboten (selbstverständlich von Ost nach West).

Mr. Ritchie hat einfach den richtigen Rhythmus drauf: bei ihm ergeben Bilder und Töne eine perfekte Verbindung und steigern die Wirkung der jeweiligen Szenen. So stürmt einmal eine schwer bewaffnete Sondereinheit den Stützpunkt der Bösewichte, doch statt dieses Ereignis in lautester „Expendables“-Manier zu inszenieren, setzt der Regisseur auf den richtigen Soundtrack nebst Split Screen - das Geballer selbst bleibt dabei fast bis zuletzt akustisch ausgeblendet. Ähnlich gut geglückte Momente sind über den gesamten Film verstreut und lassen uns begeistert Augen und Ohren aufsperren.

Mitunter traut man seinen Ohren aber auch nicht ganz. Die Figuren sprechen nämlich manchmal deutsche Sätze. Zum Glück werden dabei stets englische Untertitel eingeblendet, weil das Gehörte dank abenteuerlicher Betonung ansonsten meist unverständlich bleiben müsste. Von dieser Verständnis-Regel sind nur die deutschsprachigen Schauspieler ausgenommen. Zu denen gehört Sylvester Groth als Uncle Rudi (also kommt ja doch ein echten Onkel vor!): der Spezialist für grimmige Nazis - in zwei Filmen war er bisher als Joseph Goebbels zu sehen - spielt hier einen begeisterten Folterer und macht einem auch beim Zusehen richtig Angst, bevor er dann nicht unwitzig ausgeschaltet wird. 8 von 10 onkelhaft übermittelten Streng-Geheim-Punkten.

Codename U.N.C.L.E.

Codename U.N.C.L.E.

USA 2015

The Man from U.N.C.L.E.

Komödie, Abenteuer, Action
14.08.2015
Guy Ritchie
Guy Ritchie inszeniert eine moderne Variante der äußerst erfolgreichen TV-Serie aus den 1960er-Jahren.
7.40

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