ARNIE-COMEBACK MIT WIRREN ZEITREISEN UND STERILER ACTION

In richtig üble Erklärungsnot geraten die Drehbuchautoren aber durch die reichlich verwirrende Ausgangssituation: sie lassen „Genisys“ nämlich dort beginnen, wo 1984 alles angefangen hat. John Connor, der Rebellenführer im Kampf gegen die Maschinen, schickt aus dem Jahr 2029 seinen Freund und Kampfgenossen Kyle Reese ins LA der 80er Jahre zurück, damit er Connors Mutter vor dem mörderischen Androiden beschützt. So weit, so bekannt – doch mit Zeitreisen ist nicht zu spaßen, denn Kyle landet diesmal in einer Art Parallelwelt, wo alles eine andere Wendung genommen hat.

Da kann es schon vorkommen, dass unser Arnie-Android als väterlicher Freund der jungen Sarah Connor auftritt oder Kyle auf sein kindliches Selbst trifft und man bald vor lauter unmöglich-verrückten Verwandtschaftsverhältnissen nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Ein inflationärer Einsatz von diversen Terminator-Modellen macht die Sache nicht besser (wir können Wetten darauf abschließen, hinter welchem humanen Äußeren eine weitere Killermaschine steckt); und dass praktisch alle paar Minuten irgendwer auf eine neuerliche Zeitreise geschickt werden soll, trägt zum ermüdenden Wiederholungseffekt bei.

Eine absolut verrückte Situation ergibt sich, wenn der gealterte T-800 gegen sein jüngeres böses Ich kämpft: in diesem Fall muss man den Verfassern des Skripts immerhin eine gelungene Mischung aus Irr- + Spürsinn zugestehen, wie sie eine legendäre Szene aus dem ersten Terminator-Film hier effektvoll umzudeuten wissen. Das ist einer der wenigen wirklich zündenden Momente, während die restliche Handlung unter dem krampfhaften Bemühen zu leiden hat, die alte Geschichte auf ein neues Level zu heben.

Ein Film mit derart verquältem Drehbuch dürfte uns keine Zeit zu Verschnaufpausen oder Überlegungen lassen, weil man ansonsten unweigerlich die logischen Defizite erkennt. Leider haben wir aber jede Menge Zeit, den Unsinn als solchen sofort zu identifizieren, da „Genisys“ statt überzeugender Action nur sterile, viel zu lange und fast identische Zerstörungsorgien bietet - und für die blassen neuen Hauptdarsteller will ebenfalls keine Sympathie aufkommen. Arnie gibt zwar sein Bestes (falls er nicht gerade in Einstein-Manier Zeit-Paradoxa erklärt oder unnatürlich grinst, lautet sein neuer Lieblingsspruch: „Old but not obsolete“), aber der Nostalgie-Bonus allein kann dieses Mach- oder Schwachwerk auch nicht retten. 4 von 10 grauen Kopfhaaren des altersschwachen Terminators.

Terminator Genisys

Terminator Genisys

USA 2015
Science Fiction, Abenteuer, Action
09.07.2015
Alan Taylor
Der Widerstandskämpfer Kyle Reese macht mit John Connors Mutter Sarah und dem unverwüstlichen ersten Terminator gemeinsame Sache, um den "Judgement Day" zu verhindern...
6.70

Kommentare