Filmkritiken
07/07/2015

ARNIE-COMEBACK MIT WIRREN ZEITREISEN UND STERILER ACTION

Bereits vor 31 Jahren war das Terminator-Modell T-800 am Ende des Films reif für die Schrottpresse. Das konnte freilich seine zweimalige Wiederkehr unter veränderten Vorzeichen nicht verhindern: aus der Killermaschine wurde ein Leibwächter mit Beschützerinstinkt – nur das Gesicht und der steirische Akzent sind gleich geblieben. Wenn Arnold Schwarzenegger nun mit 67 Jahren zum vierten Mal in seine Paraderolle schlüpft, ist zwar der Akzent noch immer derselbe, das Gesicht trägt jedoch deutliche Alterungsspuren - wofür uns der Film mit pseudowissenschaftlicher Treuherzigkeit eine Erklärung liefert.

In richtig üble Erklärungsnot geraten die Drehbuchautoren aber durch die reichlich verwirrende Ausgangssituation: sie lassen „Genisys“ nämlich dort beginnen, wo 1984 alles angefangen hat. John Connor, der Rebellenführer im Kampf gegen die Maschinen, schickt aus dem Jahr 2029 seinen Freund und Kampfgenossen Kyle Reese ins LA der 80er Jahre zurück, damit er Connors Mutter vor dem mörderischen Androiden beschützt. So weit, so bekannt – doch mit Zeitreisen ist nicht zu spaßen, denn Kyle landet diesmal in einer Art Parallelwelt, wo alles eine andere Wendung genommen hat.

Da kann es schon vorkommen, dass unser Arnie-Android als väterlicher Freund der jungen Sarah Connor auftritt oder Kyle auf sein kindliches Selbst trifft und man bald vor lauter unmöglich-verrückten Verwandtschaftsverhältnissen nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Ein inflationärer Einsatz von diversen Terminator-Modellen macht die Sache nicht besser (wir können Wetten darauf abschließen, hinter welchem humanen Äußeren eine weitere Killermaschine steckt); und dass praktisch alle paar Minuten irgendwer auf eine neuerliche Zeitreise geschickt werden soll, trägt zum ermüdenden Wiederholungseffekt bei.

Eine absolut verrückte Situation ergibt sich, wenn der gealterte T-800 gegen sein jüngeres böses Ich kämpft: in diesem Fall muss man den Verfassern des Skripts immerhin eine gelungene Mischung aus Irr- + Spürsinn zugestehen, wie sie eine legendäre Szene aus dem ersten Terminator-Film hier effektvoll umzudeuten wissen. Das ist einer der wenigen wirklich zündenden Momente, während die restliche Handlung unter dem krampfhaften Bemühen zu leiden hat, die alte Geschichte auf ein neues Level zu heben.

Ein Film mit derart verquältem Drehbuch dürfte uns keine Zeit zu Verschnaufpausen oder Überlegungen lassen, weil man ansonsten unweigerlich die logischen Defizite erkennt. Leider haben wir aber jede Menge Zeit, den Unsinn als solchen sofort zu identifizieren, da „Genisys“ statt überzeugender Action nur sterile, viel zu lange und fast identische Zerstörungsorgien bietet - und für die blassen neuen Hauptdarsteller will ebenfalls keine Sympathie aufkommen. Arnie gibt zwar sein Bestes (falls er nicht gerade in Einstein-Manier Zeit-Paradoxa erklärt oder unnatürlich grinst, lautet sein neuer Lieblingsspruch: „Old but not obsolete“), aber der Nostalgie-Bonus allein kann dieses Mach- oder Schwachwerk auch nicht retten. 4 von 10 grauen Kopfhaaren des altersschwachen Terminators.