Auszeit (2001)

 Frankreich 2001

L emploi du temps

Drama 30.08.2002 133 min.
7.40
Auszeit (2001)

Laurent Cantet verliert seinen Job, doch er hält die Fassade vom Managerdasein gegenüber seiner Familie aufrecht.

Wenn im dunklen Saal während einer Projektion plötzlich irgendwo ein Telefon zu klingeln beginnt, wird man unruhig. Nicht selten sind laute Unmutsäußerungen und eilige Abgänge die Folge. Immer öfter allerdings stellt sich auch heraus, dass ein beharrliches Läuten, das langsam lauter wird, via Surround-Sound durchs Kino schrillt.
Laurent Cantet setzt die Klingelzeichen gleich an den Anfang seines Films. Das Mobiltelefon seines Helden ist dessen wichtigstes Werkzeug. Denn solange er erreichbar ist, fragt keiner, wo er sich aufhält. Lange Zeit ist nicht ganz klar, was der eigentliche Grund dieser Verschleierungstaktik ist - wenn Vincent auf ausgedehnten Autofahrten, auf Rastplätzen oder von Hotellobbys aus seine Gespräche führt, Verabredungen trifft und von dringenden Geschäften spricht, die ihn in Bewegung halten.Vincent, erfährt man schließlich, hat seinen Job verloren. Seiner gutsituierten Familie gegenüber hält er allerdings die Fassade vom Managerdasein aufrecht - samt neuer Stellung bei der UN in Genf, teurer Zweitwohnung und neuen Kollegen. Das Funktionieren dieser existenziellen Fiktion verdankt sich einem geschulten Anpassungsvermögen, Berufserfahrung und Kommunikationsstrategien, die in aller Unverbindlichkeit die Sicherheit vermitteln, dass hier einer tut, was er sagt, und weiß, was er tut.Schon in Cantets Ressources humaines (1999) ging es um Arbeitswelten und das Übergreifen der Ökonomie auf ein soziales Umfeld. L'emploi du temps bearbeitet diesen Themenkomplex unter einer anderen Prämisse: Es geht um die ökonomische Organisation von Zeit und deren Simulation, um den erfolgreichen «Verkauf» von Zwangsfreizeit als Arbeitsalltag. Cantet inszeniert die Geschichte vor dem Hintergrund der dazugehörigen «architecture of reassurance» aus aufgeräumten Eigenheimen und transparenten Zwischenzonen der Betriebsamkeit - Empfangshallen, Hotelbars und Büroaufzügen, bevölkert von Aktenkofferträgern und professionellen Handybenützern. Eine Umgebung, in der Vincent perfekt verschwindet. (Isabella Reicher)

Details

Aurélien Recoing (Vincent), Karin Viard (Murieb| Serge Livrozet (Jean-Micheb| Jean-Pierre Mangeot (Der Vater), Monique Mangeot (Die Mutter), Nicolas Kalsch (Julien), Marie Cantet (Alice), Félix Cantet (Félix)
Laurent Cantet
Jocelyn Pook
Pierre Milon
Laurent Cantet, Robin Campillo
2 rue Turgot

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Zeitarbeit
    Arbeitslosigkeit ist doch heute ein wirklich erstes Thema. Entweder man kann es gekonnt in eine Komödie verpacken wie Ken Loach oder Stephan Frears oder man macht ein Drama draus wie Paul Schrader u.a. Hier aber kommt ein Gulasch raus mit einem völlig überzuckerten Ende. Die Verheimlichung der Entlassung vor der eigenen Ehefrau ist ja noch verständlich, vorübergehend; aber einen ganzen Film lang…? Den Mut den wahren Fall nachzuerzählen hatte Regisseur Cantet wohl nicht. Der Hauptdarsteller Aurélien Recoing bleibt farblos, weil uneinsichtig und eindimensional. Seine Ehefrau Karin Viard ist bemüht, menschliche Tiefe einzubringen, bleibt aber an der Oberfläche. So behält man am Ende einen faden Geschmack im Mund, so als hätte man sich tagelang nicht die Zähne geputzt. Schade.

  • 2h Langeweile
    Dieser Film wurde am 2002-08-07 im UCI Millenium City in der Überraschungspremiere in französischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt. Die eine Hälfte der Zuschauer im anfangs vollbesetzen Saal hat den Film schon während der Vorstellung verlassen während von den verbleibenden Zuschauern bis über das Ende des Films hinaus zunehmend bösartige Kommentare zu hören waren. Fazit: Mit diesem Film als Argument hätte niemand etwas dagegen wenn Hollywood Luftangriffe gegen das französische Studio fliegt.