Ballast

 USA 2008
Drama 96 min.
6.90
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Der 12-jährige James lebt mit seiner Mutter Marlee im Mississippi-Delta. Sie arbeitet hart als Reinigungsfrau, um über die Runden zu kommen, während James sich mit einigen jugendlichen Dealern einlässt. Als die Situation eskaliert, flüchten Mutter und Sohn vor der drohenden Gewalt in das Haus des bereits verstorbenen Vaters von James, den dieser nie kennen gelernt hat. Im Nebenhaus wohnt Lawrence, der Zwillingsbruder des Toten, mit dem Marlee noch einige Rechnungen offen hat. Es ist eine somnambule Welt, die Lance Hammer in seinem Erstling zeigt. Die Menschen stecken in ihrem Leben fest, als hindere sie der morastige Boden, der sie umgibt, einen Schritt nach vorne oder auch nur zurück zu machen. Verschlammte Biografien ohne Aussicht auf Veränderung. Nur ihr Körper treibt sie weiter, im täglichen Kampf um die blanke Existenz. Wenn das Glück einmal in dieser weiten grauen Ebene Station gemacht haben sollte, hat es keine Spuren hinterlassen. Es ist mit dem Vogelschwarm davongeflogen, dem der Junge zu Beginn hinterher sieht. Hammer braucht nur wenige Striche, um ein komplexes Beziehungsgeflecht zu entwerfen. Er beobachtet seine Figuren, allesamt von Laiendarstellern gespielt, im Stile eines Dokumentaristen und schaut, was passiert. Ganz ohne soziologische Erklärungsversuche, ganz ohne Empörung, ganz ohne Sentimentalitäten. Es ist, wie es ist. Doch unter dem scheinbar ungeregelten Fluss der Dinge liegt eine präzise Komposition, die zuspitzt, verknappt und beschleunigt. Hammer weiß genau, was er zeigen muss und weglassen kann. Eine solche kluge Montage braucht keine Musik. Sie vertraut sich und der Klarheit der Bilder. Selten war Stille in einem Film so musikalisch. (Mark Stöhr)

(Text: Viennale 2008)

Details

Micheal J. Smith Sr. (Lawrence), Jim Myron Ross (James), Tarra Riggs (Marlee), Johnny McPhail (John)
Lance Hammer
Lol Crawley
Lance Hammer

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken


  • Interessant - extrem sparsam in Personal (Laiendarsteller) und Mitteln (keine Musik) und trotzdem eindringlich. Entgegen dem Katalogtext kein Erstling, sondern der 2. Film von Lance Hammer als Writer/Director.