"Battle of the Sexes": Geschlechterkampf mit Tennisschlägern

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Normalerweise verwendet man für den Kampf der Geschlechter keine Tennisschläger, aber eigentlich sind das gar keine schlechten Waffen und sie bringen vor allem hohe Einschaltquoten. Rund 90 Millionen haben 1973 vor den TV-Bildschirmen mitverfolgt, wie der frühere Wimbledonsieger, krankhafte Glücksspieler und gnadenlose Selbstdarsteller Bobby Riggs die 20 Jahre jüngere Billie Jean King zu einem Duell auf dem Tennisplatz herausforderte, um die männliche Überlegenheit in diesem Sport zu beweisen. Ein paar Monate zuvor hatte er bereits Margaret Court, die damalige Nummer 1 im Frauentennis, beim sogenannten „Muttertagsmassaker“ besiegt und entsprechen geringe Chancen schien Billie King zu haben. Doch dann nimmt der Schaukampf einen sensationellen Verlauf, der alle engstirnigen Sportreporter beschämt, die im Tennisspiel eine Männerdomäne sehen und – abgesehen von beleidigenden Bemerkungen – den Spielerinnen nur einen Bruchteil der Bezahlung zugestehen.

Spiel um Gleichberechtigung

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Dieses Sportereignis, das sich als bloßes Entertainment präsentierte, hatte nämlich sehr wohl ernste Hintergründe und wurde zu einem wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Zwar gibt es angeblich Hinweise, dass der Zocker Riggs den Ausgang des Matches absichtlich herbeigeführt habe soll, doch die werden im Film nicht berücksichtigt (immerhin könnte es sich bei diesem Gerücht ja durchaus auch um eine typisch chauvinistische Propagandaaktion handeln).

Tennis-Clown

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Riggs war geradezu süchtig danach, sich in Szene zu setzen und hätte alles getan, um aufzufallen: er war ein echter Clown, der mit Taucherflossen an den Füßen, als Schäferin verkleidet oder mit einer Bratpfanne Tennis spielte und nur mit einem Tennisschläger in der Hand auch als Aktmodell posierte. Eine perfekte Figur für Steve Carell somit, der hier einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt und Riggs sogar mit durchaus liebenswerten Zügen ausstattet.

Coming Out

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Emma Stone (wie eine Brille doch einen Menschen verändern kann) überzeugt in ihrer bisher zweifellos wichtigsten Rolle; zumal hier, abgesehen von sportlichem Können, auch die Bewältigung eines Aufruhrs der Gefühle gefragt ist. Nicht nur beim Tennis deuten die Zeichen nämlich auf Veränderung, sondern auch im Privatleben der Hautfigur, denn die verheiratete Billie verliert nebenbei ihr Herz an eine Frau und erlebt somit ein zunächst ängstlich verdrängtes Coming Out.

Ein eingespieltes Team

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Ob bei den Dreharbeiten für diese Zeitreise in die 70er Jahre wohl auch ein Battle of the Sexes stattgefunden hat? Immerhin führten ein Mann und eine Frau Regie. Doch das ist ziemlich unwahrscheinlich, denn Valerie Faris und Jonathan Dayton sind spätestens seit „Little Miss Sunshine“ ein professionell aufeinander eingespieltes Team. Nun aber zu glauben, dass im Filmbusiness der Kampf der Geschlechter ohnehin schon längt friedlich beigelegt wurde und volle Gleichberechtigung herrscht, wäre bloßes Wunschdenken - vor allem, wenn man an den gerade aktuellen Fall Harvey Weinstein denkt.

8 von 10 unisexen Tennisschlägern

franco schedl

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel

GB/USA 2017

Battle of the Sexes

Tragikomödie, Biografie
24.11.2017
Jonathan Dayton, Valerie Faris
Ein Film über das meist gesehenen Sportevent der Fernsehgeschichte: 1973 wird ein Schaukampf zwischen der Nr. 1 des Frauentennis, Billie Jean King und dem großspurigen Ex-Tennis Champion Bobby Riggs ausgetragen.
7.00

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