Bike Boy

 USA 1967
Drama 96 min.
6.80
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Einer der interessantesten Filme von allen, die ich hier in Amerika gesehen habe, vielleicht sogar der interessanteste, ist der Film Warhols: Bike Boy ist bemerkenswert, wie auch immer man zu Warhols Vorlieben stehen mag. Dieser Film ist wirklich persönlich, und in Amerika ist das außerhalb des Underground etwas ganz Besonderes. Jacques Demy Andy Warhols Bike Boy liegt genau zwischen der minimalistischen dramatischen Stasis von Chelsea Girls und der gewagteren Struktur und dem raffinierteren Spiel zwischen den Figuren, die später Lonesome Cowboys auszeichnen. Er zeigt keine Anzeichen einer konventionelleren Regie-Rolle, wie sie in Flesh so unvorteilhaft auffallen: Die Struktur als Kommentar zur Handlung, die unnötig schöne Fotografie. Bike Boy liegt also ganz auf der Linie von Warhols Entwicklung. Sein dritter Versuch eines «narrativen» Films (nach I, a Man und Nude Restaurant) ist eine eindrucksvoll reine Demonstration der Warholschen Überzeugung, dass der Schauspieler das wichtigste Element in einem Film ist und dass die Aufgabe des Filmemachers einfach darin besteht, den Schauspieler optimal in Szene zu setzen. Von Paul Morrissey wissen wir, dass Joe Spencer tatsächlich ein Motorradfahrer war, der bei seinem Aufenthalt in New York bei der Factory anrief und dort um Rat fragte, wie er seine Zeit in New York verbringen sollte. Warhol (und «Warhol» steht hier immer als ein kollektiver Begriff für alle Mitarbeiter an seinen Filmen) machte sich Joes Naivität zunutze und arrangierte für ihn Situationen mit bekannten Figuren aus den früheren Filmen. Ungerührt beobachtete er die Spannungen, die daraus erwuchsen. Der Film wurde in derselben Weise wie die späteren Filme «geschnitten»: Die Kamera wurde gestoppt und gestartet, der Schnitt wurde durch das Piepsen des Soundtracks und die Flashbilder angezeigt; in einem zweiten Schritt wurden einige der Begegnungen im Film bewusst gekürzt. Tony Rayns 1970, «That Magic Moment: 1968 und das Kino; eine Filmschau» Viennale (Hg.), Wien 1998

(Text: Viennale 2005)

Details

Joe Spencer, Viva, Ed Weiner, Brigid Berlin, Ingrid Superstar, George Ann, Bruce Ann, Vera Cruz, Ann Wehrer
Andy Warhol
Andy Warhol

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