Bu jian (The Missing)

 Taiwan 2003
Drama 82 min.
6.30
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In der großen Tradition des taiwanesischen Kinos ist Bu Jian in diesem Jahr wie ein neuer, leuchtender Meteor erschienen, ein Glücksfall an reiner Kinematographie und gewagter Erzählung. Der junge Regisseur Lee Kang-sheng ist niemand anderer als der Hauptdarsteller aller bisherigen Filme von Tsai Ming-liang. Aber Lee Kang-sheng ist weit davon entfernt, ein Epigone zu sein. Sein Film über das Verschwinden eines kleinen Jungen und eines alten Mannes in der Großstadt Taipeh ist eine einzige, noch nie gesehene, spannende, unheimliche und rätselhafte Abfolge von gefilmten Räumen, Hoffnung, Straßen, Warten, Suchen, Alltag. Ein Film, traurig und schön wie der leere Himmel. Einer älteren Frau kommt in einer Parkanlage in Taipeh ihr dreijähriger Enkelsohn abhanden. Ein Teenager vertreibt sich die Schulzeit in einem Spielsalon und muss bei der Rückkehr nach Hause feststellen, dass sein an Alzheimer leidender Großvater verschwunden ist: The Missing widmet sich der Beobachtung dieser Figuren, nur manchmal berühren die beiden Geschichten einander flüchtig. Lange Einstellungen folgen der Frau bei ihrer verzweifelten Suche. Und nur eine ferne Lautsprecherstimme über der Totalen des Stadtviertels wird später davon künden, dass ein örtlicher Kuchenverkäufer sich dem Drängen der Frau nicht entziehen kann und in immer kürzeren Abständen Suchmeldungen verbreiten muss. Vor allem durch solche Lücken in der Narration entsteht schnell eine intensive Spannung. Der taiwanesische Schauspieler Lee Kang-sheng hat sich erstmals hinter die Kamera begeben und einen Spielfilm inszeniert: Lee ist auch hierzulande kein Unbekannter, man erinnere sich, dass er vom Regisseur Tsai Ming-liang entdeckt wurde, seitdem in keinem von dessen Filmen fehlte und zuletzt in Goodbye, Dragon Inn als wortkarger Filmvorführer agierte. Lees Regiedebüt teilt mit den Arbeiten Tsais die eigenwillige Handhabung von Alltagsgeschichten, die durch ihren fragmentarischen Charakter und eine elliptische Erzählweise in die Nähe des Unheimlichen geraten. (Isabella Reicher)

(Text: Viennale 2004)

Details

Lu Yi Ching (Großmutter), Miao Tian (Großvater), Chang Jie (Enkel)
Kang-Sheng Lee
Lee Kang Sheng
Liao Pen Jung
Lee Kang Sheng

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