Filmkritiken
27.09.2017

"Cars 3: Evolution": Ein alter Motor versucht wieder durchzustarten

Nachdem Teil 2 des abgefahrenen Pixar-Vergnügens einen weniger überzeugenden Eindruck hinterlassen hat, kommt dieser Teil wieder richtig in die Gänge.

Inzwischen ist Lightning McQueen auch schon in die Jahre gekommen und kann mit seinen jüngeren Benzinbrüdern nicht mehr so richtig mithalten. Wenn er gegen die neuen PS-Giganten, wie z.B. den blitzschnellen und großspurigen Newcomer Jackson Storm, eine reelle Gewinnchance haben möchte, müsste er seinen Motor einer Generalüberholung unterziehen oder sich zumindest eine bessere Fahrtechnik zulegen. Die nötigen Anregungen dazu soll ihm eine junge Renntrainerin geben, doch die Gute ist ganz auf virtuelle Welten eingestellt, während Lightning mit Computern und Rennsimulatoren nichts anfangen kann, sondern sich bei Übungsfahrten lieber die Reifen schmutzig macht. Und so wird der Senior zum Trainer seiner Trainerin, um ihr beizubringen, was ein echtes Rennauto alles wissen muss.

Überraschung in letzter Minute

Nachdem Teil 2dieses abgefahrenen Pixar-Vergnügens einen weniger überzeugenden Eindruck hinterlassen hat, weil die Geschichte recht unpassend ins Agentenmilieu verlegt wurde, kommt der dritte Teil wieder richtig in die Gänge. Das Drehbuch bleibt erfreulich realistisch (soweit man das von einem Werk, in dem es um sprechende Autos geht, überhaupt sagen kann) und macht Lightning nicht zum großen Gewinner, der allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz immer als Erster die Ziellinie passiert. Deshalb nimm die Story dann auch beim großen Entscheidungsrennen in letzter Minute noch eine ziemlich unerwartete Wendung, die vielversprechende Zukunftsperspektiven eröffnet.

Eher erwachsenentauglich als kindergerecht

Bloß ist der Film eher für ein erwachseneres Publikum geeignet, denn Kinder werden mit der Alters-Schwäche des Helden nicht viel anfangen können und sich bei den vielen nostalgischen Anwandlungen eher fadisieren. Es kommen nämlich auch echte Oldtimer ins Spiel, und Lightning denkt ständig an seinen früheren Lehrmeister Doc (wodurch der 2008 verstorbene Paul Newman die Gelegenheit erhält, seine Stimme sozusagen aus dem Grab noch einmal zu erheben). Am ehesten könnte den Kleinen noch eine Szene gefallen, in der McQueen auf einer schlammigen Strecke von einem ‚Schulbus des Grauens‘ verfolgt wird.

Die größten Rätsel

Vielleicht lenkt die jungen Zuschauer aber auch jene Frage ab, die mich seit Beginn der „Cars“-Reihe beschäftigt: Wozu haben die lebendigen und selbstfahrenden Wagen trotzdem Türen, die nie geöffnet werden und einen Innenraum, der von niemandem benutzt wird? Enthält er tatsächlich Fahrersitze oder bietet er womöglich Platz für das Gehirn der Autos? Aber das ist dann vermutlich doch eher unter der Motorhaube zu finden.

oooooooo (8 von 10 Profilreifenpunkten)

franco schedl