Chronik der Anna Magdalena Bach

 BRD/I 1967
Biografie 94 min.
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Eine Filmbiografie über Kunst-als/und-Arbeit, ein asketisches Gegenstück zum grassierenden Geniekult einschlägiger Kinogenres.

Die Chronik spricht über den täglichen Kampf des Komponisten Bach um seine Arbeit, sein Brot, seine Familie. Menschen bei der Arbeit, beim Singen, beim Nähen. Der Film macht musikalische Materie sichtbar und hörbar, Geschichte spürbar und begreifbar, nicht durch Rekonstruktion, sondern durch Konstruktion, indem er Texte, Körper, Räume in Schwingung versetzt und in Kollision bringt. Die Chronik ist ein materialistischer, mystischer und revolutionärer Film. Der Bachfilm1 Ausgangspunkt für unsere Chronik der Anna Magdalena Bach war die Idee, einen Film zu versuchen, in dem man Musik nicht als Begleitung, auch nicht als Kommentar, sondern als ästhetische Materie benutzt. Ich hatte keine wirklichen Vorbilder. Nur vielleicht als Parallele: was Bresson in Das Tagebuch eines Landpfarrers mit einem literarischen Text gemacht hat. Konkret, könnte man sagen, wollten wir versuchen, Musik auf die Leinwand zu bringen, den Leuten, die ins Kino gehen, einmal Musik zu zeigen. Parallel mit diesem Aspekt ging der Wunsch, eine Liebesgeschichte zu zeigen, wie man sie noch nicht kennt. Eine Frau erzählt von ihrem Mann, den sie geliebt hat, bis zu dessen Tode. Da ist zunächst die Geschichte. Die Frau steht da und kann weiter nichts tun als dazusein für den Mann, den sie liebt, egal, was ihm passiert und welche Schwierigkeiten er hat. Sie erzählt, wieviele Kinder sie gehabt haben sie haben dreizehn Kinder zusammen bekommen , was aus ihnen geworden ist, wieviele gestorben sind und so weiter. Also da ist zunächst ihre Geschichte; dann fixiert ihr Bericht aber auch einen Außenpunkt. Man kann keine Biografie schreiben, keine Kinemato-Biografie, ohne daß man einen Außenpunkt hat, und dieser Außenpunkt ist eben das Bewußtsein der Anna Magdalena. ... (Jean-Marie Straub)

(Text: Viennale 2004)

Details

Gustav Leonhardt (Johann Sebastian Bach), Christiane Lang-Drewanz (Anna Magdalena Bach), Joachim Wolf (der Rector), Rainer Kirchner (der Superintendent), Ernst Castelli (1. Ratsherr)
Daniele Huillet, Jean-Marie Straub
J. S. Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 5 (BWV 1050)
Ugo Piccone, Saverio Diamanti, Giovanni Canfarelli
Jean-Marie Straub, Danièle Huillet ausgehend von dem Nekrolog von Philip-Emmanuel Bach (1750) und Briefen von Johann Sebastian Bach Für Jacques Rivette, Jean-Luc Godard, Michel Delahaye, Peter Nestler und viele

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