Chuan Bing (Ice Games)

 China 2006
Independent 75 min.
film.at poster

Ice Games, das Spielfilmdebüt des jungen chinesischen Regisseurs Zhang Hui Lin, entstand in den Straßen von Beijing, meist nachts, durchwegs mit Laien in den Hauptrollen. Es sind die Freunde des Regisseurs, die sich hier in semidokumentarischer Weise selbst spielen und ihre Geschichten und Liebschaften, ihre Hoffnungen und Ängste mitteilen. Ice Games ist ein für das chinesische Kino erstaunlich offener und gewagter Film mit Anklängen an das Kino Wong Kar-wais und avantgardistischer Arbeiten. Wie Traumwandler in einer sich radikal modernisierenden Stadt, sind sie von lasziver Gleichgültigkeit und provokanter Verweigerung, eine Art chinesischer Slacker. Die Idee zu Ice Games stammt aus dem Jahr 2004, als der SARS-Virus über Beijing lag und die Straßen leer waren. Die gesamte Stadt befand sich in Panik. Freunde trafen sich bei mir zu Hause, da alle Arbeit vorübergehend eingestellt wurde. Ich beschloss, einen Film zu machen, um die Zeit totzuschlagen, die Langeweile ein wenig zu überbrücken. Ice Games ist eine Geschichte über Einsamkeit und Unabhängigkeit, eine Geschichte über zwei Frauen, die nachts durch die Straßen ziehen, belanglose Geschichten erzählen und belanglose Spiele spielen, und eine Geschichte über zwei Männer - der eine davon ist in Träumen verloren, der andere verlor seine Liebe wegen seiner Unentschlossenheit. Manche Teile des Films sind realitätsnah, und die meisten Leute spielten sich einfach selbst, oder, genauer gesagt, so wie ich sie sehe. Die Hälfte der Szenen wurde an einem Ort namens Wanghe Bridge gedreht. Unser Glück war es, dass sich die Brücke - obwohl sich die Dreharbeiten über zwei Jahreszeiten erstrecken - noch im Bau befand und nie komplett funktionsbereit war. Es dauerte zwei Jahre, den Film fertig zu stellen, was teils am Jahreszeitenwechsel lag, aber zum größeren Teil an meiner Faulheit. Es gab keinen Druck. (Zhang Hui Lin)

(Text: Viennale 2006)

Details

Tai Ling Yi, Long Kuan, Yu Bo, Wang Lan
Zhang Hui Lin
Long Kuan, Wang Lan
Zhang Hui Lin
Zhang Hui Lin, Tai Ling Yi, Long Kuan

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User Kritiken


  • Ein weiterer chinesischer Film, der ein Kleinod zu sein verspricht: Gedreht mit einfachsten Mitteln, auf der Straße und auf einer (zum Glück für das Filmteam) jahrelang unfertigen Brücke, mit Freunden des Regisseurs in den Hauptrollen. Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle noch über das harte Brot chinesischer Filmemacher und die schwierigen Bedingungen philosophiert, unter denen die Filme enstehen und weswegen sie großteils auf der Straße und ohne Erlaubnis der Behörden mit viel zeitlichem Aufwand gedreht werden müssen.
    Diesmal allerdings sind die improvisierten Produktionsbedingungen überraschenderweise Programm, und die lange Produktionsdauer keine Folge staatlicher Repression - Zitat Zhang Hui Lin: "Es dauerte zwei Jahre, den Film fertig zu stellen, was teils am Jahreszeitenwechsel lag, aber zum größeren Teil an meiner Faulheit. Es gab keinen Druck." Macht einem den Mann irgendwie sympathisch... ;o)