Clean

 F/Kanada/GB 2004
Drama 19.11.2004 110 min.
film.at poster

Die Rockmusikerin Emily kämpft gegen ihre Drogensucht und für das Sorgerecht ihres Sohnes.

Clean erzählt von einer Rockmusikerin, die ihren Mann durch Drogentod verliert, selbst für einige Zeit ins Gefängnis kommt, zur Hölle des Entzugs gezwungen wird und sich schließlich langsam zurückkämpft in ein kleines, alltägliches Leben. Das Einzige, das ihr verblieben ist, ist ihr Kind, zu dem ihr jedoch der Kontakt verweigert wird. Das klingt wie ein vorhersehbares Melodram, ist jedoch vielmehr eine überraschend unsentimentale, genaue Erzählung des Herzens mit einer großartigen und berührenden Maggie Cheung in der Titelrolle.

Es geht um Würde in diesem Film, und so unglamourös und zugleich alltäglich schön, wie Maggie Cheung hier für Assayas einfach da ist, merkt man schnell: Diese Würde kann nicht von außen bewirkt werden, sondern sie muss von innen heraus entstehen auch wenn das Gefäß, das gefüllt werden soll, erste Sprünge erhalten hat, durchlässig geworden ist, schäbig irgendwie. Aber nicht so schäbig, wie wenn ein Hollywoodstar auf «beschädigt» macht. Und damit das Glück dieses Films komplett ist, schenkt er uns tatsächlich auch noch einen Hollywoodstar, der exakt diese Camouflage nicht betreiben muss: Nick Nolte. Dieser spielt den Vater des Verstorbenen, oder wichtiger: den Großvater von Cheungs Kind. Es ist Noltes erste wirkliche Altersrolle, und er findet zu einer Milde, zu einer Zärtlichkeit, die rein gar nichts mit Sentimentalität, sondern einfach mit Klarheit und einem großen Herzen zu tun hat. Ja, Klarheit, das ist es, was Clean vermittelt: eine absolute Einprägsamkeit jedes Moments, jedes Details, mit deren Hilfe Assayas darauf verzichten kann, die in derartigen Geschichten üblichen versöhnlichen Töne anzuschlagen. Eher hält er an Unversöhnlichkeiten fest, verharrt da, wo Menschen (noch) nicht miteinander kommunizieren, aber insgesamt kommen die Dinge, fragil wie sie sind, zeitweilig doch wieder ins Lot.

(Claus Philipp)

Details

Maggie Cheung (Emily Wang), Nick Nolte (Albrecht Hauser), Béatrice Dalle (Elena), Jeanne Balibar (Irene Paolini), Don McKellar (Vernon), Martha Henry (Rosemary Hauser)
Olivier Assayas
Brian Eno, David Roback, Tricky
Eric Gautier
Olivier Assayas
Stadtkino

Kritiken

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User Kritiken


  • Absolute Empfehlung. Ausgezeichnet. Ein absolut sehenswerter Film. Eine Erholung nach all dem Blödsinn, Schmalz, nach all den Trivialitäten, die uns sonst so geboten werden... sehr treffend in der Detailinfo beschrieben... tolle Kamera... sehr intensiv, sehr direkt, großartige SchauspielerInnen, danke Maggie Cheung, danke Nick Nolte! Sensibel, aber niemals kitschig, und in keiner Sekunde langweilig. Ich bin niemand, der Filme zweimal anschaut, aber in diesem Fall werde ich das tun... also vielleicht bist bald im Gartenbaukino!