Das Himmler-Projekt

 Deutschland 2000
185 min.
film.at poster

Regisseur Romuald Karmakar inszeniert Heinrich Himmlers Posener Rede aus dem Jahr 1943 in nüchternem, von allen Verfremdungseffekten befreiten Stil.

Ein Mann in schwarzem Rollkragenpullover und Sakko steht im grau verhangenen Fernsehstudio an einem Rednerpult und liest einen Text, nüchtern, mit freundlicher Stimme, ohne jeden rhetorischen Kunstgriff.

Am 4.Oktober 1943 hielt Heinrich Himmler vor 92 Generälen der SS im Schloss von Posen seine Posener Rede, in der er seine Zukunftspläne für ein neues Europa darlegte. Es sollte ein Europa ohne Juden werden, mit einer germansichen Führungselite und einer slawischen Sklavenschicht.

Der Mann im Studio ist der Schauspieler Manfred Zapatka. Er liest den gesamten Wortlaut der Rede Himmlers, nach der Abschrift der originalen Tonaufzeichnungen. Regisseur Romuald Karmakar setzt ganz auf die gespenstische Wirkung des nüchternen Wortes. Kein wildes Gestikulieren, kein Brüllen und Toben, keine datierte Selbstinszenierung schafft Distanz zu den Aufforderungen, das "jüdische Volk", die "Slawen" die "Russen" und die "Fremdvölkischen" auszubeuten, zu verfolgen und zu vernichten.

Karmakar sieht "das Himmler Projekt" als den Versuch, Zeitgeschichte abseits des konventionellen Kanons darzustellen. Im Fernsehen wie auch in Hollywood-Dokumentationen sei es üblich, zeitgenössische Film- und Tondokumente zu leicht konsumierbaren Häppchen zurechtzustutzen und mit entsprechend ausgewählter Musik Atmosphäre zu schaffen. Ähnlich diene der Umgang mit Kommentaren von Zeitzeugen lediglich der Illustration der im Film vertretenen Thesen. Dem setzt Karmakar die Präsentation des ungekürzten von allen Verfremdungseffekten befreiten Originalwortlauts entgegen. Wie bereits in seinem Film "Der Totmacher" lässt er die Täterseite zu Wort kommen und erreicht durch deren Entdämonisierung eine Verstörung des Zuschauers, die sich nicht in einer selbstgefälligen "Betroffenheit" erschöpft.

Details

Manfred Zapatka
Romuald Karmakar
Bernd Neubauer, Werner Penzel, Florian Süßmayr
Romuald Karmakar, Stefan Eberlein

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